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Behandlungsfehler beim Tierarzt – Was kann man tun? Fragen an Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil

Behandlungsfehler wünscht sich kein einziger Tierhalter. Das deutsch Tierschutzgesetz §§1 und 2 schreibt vor:

Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Es ist die Pflicht jedes Hunde- oder allgemein Tierhaltes sein Tier rechtzeitig behandeln zu lassen. Leider verläuft nicht jede Behandlung positiv. In diesem Blog möchten wir gemeinsam mit Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil näher auf das Thema Behandlungsfehler zu sprechen kommen und vor allem den rechtlichen Aspekt beleuchten. Wir helfen dir dabei, wie du vorgehen solltest wenn ein Behandlungsfehler bei deinem Tier passiert und welche Rechte du als Tierhalter besitzt.

Der tierärztliche Behandlungsvertrag

Sobald man seinen Hund oder ein anderes Haustier für eine Behandlung zu einem Tierarzt bringt, schliesst man automatisch einen Behandlungsvertrag ab. Der tierärztliche Behandlungsvertrag ist im Bürgerlichem Gesetzbuch festgelegt und regelt die Rechte und Pflichten beider Parteien: vom Tierarzt wie auch von Tierhalter. Der Tierarzt muss demnach ordnungsgemäss gemäss seiner Fachkenntnis behandeln und der Tierhalter entsprechend die Tierarztkosten übernehmen. Die Tierarztkosten müssen angemessen sein und richten sich nach der Gebührenordnung des Tierärzte (kurz: GOT). Ein wichtiger Hinweis ist, dass dieser Vertrag nicht in schriftlicher Form vor jeder Behandlung festgehalten wird. Wenn du mit deinem Hund also einen Tierarzt besuchen musst, wirst du nicht jedes Mal einen tierärztlichen Behandlungsvertrag in schriftlicher Form unterschreiben. Vor Operationen werden Verträge häufig schriftlich geschlossen. Effektiv wird ein tierärztlicher Behandlungsvertrag aber mit dem Besuch eines Tierarztes und seiner Behandlung.

In der Regel sind die tierärztlichen Behandlungsverträge reine Dienstleistungsverträge gemäss BGB §§611ff, die den Tierarzt verpflichten, eine Leistung zu erbringen. Die Garantie auf Genesung ist somit nicht involviert. Es gibt jedoch auch Verträge, die den Fokus auf einen Erfolg setzen (z.B. Ankaufuntersuchungen bei Pferden). Dieser Vertrag ist wie ein Werkvertrag zu verstehen. Gemischte Verträge sind sogenannte Behandlungsverträge, wie sie oft in Tierkliniken geschlossen werden. Sie stellen einen Mix aus Dienstleistungs- und Werkvertrag dar. Entsprechend dem Vertrag entsteht auch die Haftung des Tierarztes. Wie immer lohnt sich ein Blick in die Verträge.

Behandlungsfehler Tierarzt Hund Operation

Fehler in der Behandlung

Jeder Tierarzt verpflichtet sich dazu, seine zu behandelnden Tiere ordnungsgemäss zu behandeln. Sollte aber doch etwas schief laufen, so musst du diesen Behandlungsfehler beweisen können. Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil empfiehlt deshalb stets einen Zeugen mit zu einer tierärztlichen Behandlung mitzunehmen. Dieser Zeuge kann dann im Notfall darstellen, was ursprünglich beauftragt wurde und abgesprochen wurde.

Unterschieden wird zwischen dem normalen Behandlungsfehler und dem groben Behandlungsfehler.

Der grobe Behandlungsfehler ist ein Fehler, der dem Tierarzt schlichtweg nicht unterlaufen darf. Es handelt sich beim groben Behandlungsfehler um gravierende Fehler, die entgegen dem tierärztlichen Grundkönnen stehen. Das klassische Beispiel ist hierbei, dass der Tierarzt einen groben Behandlungsfehler begeht, indem die falsche Pfote zu behandelt wird. Aber auch ein falsches Medikament, unsauberes operieren und somit Keimbildung oder eine Impfung an der falschen Stelle stellen einen groben Behandlungsfehler dar. Der Tierarzt muss bei einem groben Behandlungsfehler, sofern man dem Tierarzt diesen beweisen kann, für den Behandlungsfehler einzustehen. Unabhängig ob der Tierarzt den groben Behandlungsfehler bewusst oder unbewusst  (man hofft bei Tierärzten natürlich immer auf unbewusst) durchgeführt hat, so muss der Tierarzt dafür haften.

Alle daraus entstandenen Kosten müssten von dem Tierarzt übernommen werden. Wenn mein Hund also beispielsweise an der falschen Pfote operiert wurde, ich nun meinen Hund erneut an der eigentlich verletzten Pfote operieren lassen muss sowie noch Medikamente oder Folgeschäden (benötigte Physiotherapie) aufgrund der falschen Operation entstehen, so müssen diese Kosten von dem falsch behandelnden Tierarzt übernommen werden. Zu diesen Folgekosten zählen alle Kosten, die entstehen, wie Fahrtkosten, Kosten, weil ich mein Tier nicht mehr unbeaufsichtigt lassen kann, Tierarztkosten, Physiotherapiekosten, Medikamentenkosten usw. Schwierig zu beweisen ist hierbei, welche Kosten dem Tierhalter sowieso entstanden wären und nichts mit dem eigentlichen Behandlungsfehler zu tun haben.

 

Behandlungsfehler

Bringe ich meinen Hund zum Tierarzt aufgrund seiner linken Pfote und der Tierarzt behandelt jedoch die gesunde rechte Pfote, kann ich mithilfe meines Zeugen beweisen, dass der Tierarzt von mir ausdrücklich über die linke Pfote informiert wurde. Hierbei handelt es sich dann um eine Falschbehandlung, weil der Tierarzt etwas komplett falsch gemacht hat.

 

Schlechtbehandlung

Bringe ich meinen Hund zum Tierarzt und dieser nennt mir zur Behandlung eine falsche Dosis des Medikaments, dann ist die Behandlung schlecht und man spricht juristisch von einer Schlechtbehandlung. Diese Schlechtbehandlung kann zum Beispiel bewiesen werden, indem die Dokumentation des Tierarztes hervorgerufen wird. Jeder einzelne Tierarzt ist per Gesetz dazu verpflichtet eine tierärztliche Behandlung zu dokumentieren. Als Tierhalter darf man eine solche tierärztliche Dokumentation zur Einsicht anfordern.

 

Fehlinformation

Ein jeder Tierarzt verpflichtet sich, den Tierhalter über mögliche Risiken und über Erfolgsaussichten aufzuklären. Eine falsche Erklärung und Aufklärung gehört ebenfalls zu den Behandlungsfehlern. So ist es beispielsweise möglich, dass der Tierarzt mir falsche Erfolgswahrscheinlichkeiten in Aussicht stellt oder die Methode falsch kommuniziert.

 

Diagnosefehler / Befunderhebungsfehler

Ein leider in der Praxis häufig vorkommender Behandlungsfehler ist, dass der Befund nicht korrekt oder gar nicht erhoben wird. Ein Beispiel hierfür ist, dass ein Röntgenbild nicht richtig beurteilt wird oder eine Blutprobe nicht entnommen wird, obwohl es dringend notwendig wäre.

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Schadensersatz

Jeder Tierhalter hat den Anspruch darauf, bei jeglicher Art von falscher Behandlung vom Tierarzt Schadensersatz geltend zu machen. Im Nachgang, wenn ein Tier falsch behandelt wurde oder wegen eines Behandlungsfehlers verstirbt, spricht man leider nur noch von Schandensersatz in Form von Geld. So sieht es der Bundesgerichtshof in seiner Rechtssprechung vor. Schmerzensgeld für die Leiden, die das Tier durchleben musste und um den emotionalen Verlust geltend zu machen gibt es für Tiere bislang noch nicht. Auch nicht, wenn der Tierhalter dabei zusehen muss, wie sein Tier leiden muss. Der Stellenwert der Tiere ist im Gesetz leider noch nicht gross genug. Die Regelungen wendet die Prinzipien der Sache auf Tiere an und behandelt Tiere faktisch per Gesetz wie Sachen (auch wenn im Gesetz steht, dass es sind Mitgeschöpfe seien).

Tatsächlich besteht aber auch in der Humanmedizin nur in direkter Linke: also Grosseltern – Eltern – Kinder Schmerzensgeld Anspruch, wenn etwas passiert. Der Anspruch auf Schmerzensgeld bei Geschwistern kann nicht geltend gemacht werden, sofern ein Geschwisterteil das Leid des anderen Geschwisterteils emotional mitnimmt. In diesem Falle wäre ein medizinischer Beleg notwendig um Anspruch zu erheben.

 

Tipps für Tierhalter beim Tierarzt

Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil nennt ganz klare Tipps für Tierhalter:

  1. Wenn ich zum Tierarzt gehe oder mein Tier behandeln lasse, immer einen Zeugen mitnehmen
  2. Einen vertrauensvollen Tierarzt wählen, der offen kommuniziert und aufklärt
  3. Bei Behandlungsfehlern zunächst den Dialog mit dem Tierarzt suchen und Möglichkeiten finden, das Tier bestmöglich zu behandeln

 

 

Halt die Ohren steif und immer der Nase nach!

 

 

Anwaltskanzlei Ackenheil
Rechtsanwalt Andreas Ackenheil
Raiffeisenstrasse 23 a
55270 Klein-Winternheim / Mainz

Tel. 06136 – 762833
Fax: 06136 – 763291

Mail: info@ackenheil-anwaltskanzlei.de

Instagram: https://www.instagram.com/tieranwalt_ackenheil/


Anzeige: In Kooperation mit Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil

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