Was bedeutet Welpenfutter?
Welpenfutter ist ein speziell auf die Wachstumsphase abgestimmtes Hundefutter mit angepasstem Energie-, Protein-, Calcium- und Phosphor-Gehalt. Es deckt den erhöhten Bedarf eines wachsenden Hundes für Knochen-, Muskel- und Organentwicklung – ein Bedarf, der laut den europäischen FEDIAF-Leitlinien (2024) deutlich von dem eines erwachsenen Hundes abweicht.
Welpenfutter ist nicht gleich Welpenfutter. Die Anforderungen unterscheiden sich nach Endgewicht (kleine, mittlere, große, Riesenrassen) und Wachstumsphase (frühes Wachstum bis ca. 14 Wochen, spätes Wachstum bis Wachstumsabschluss). Großwüchsige Rassen brauchen ein anderes Calcium-Phosphor-Profil als kleinwüchsige – ein Unterschied, der gesundheitlich relevant ist und mit Skelettentwicklung zusammenhängt.
Hintergrund und wissenschaftliche Einordnung
Die wissenschaftliche Basis für Welpenfutter ist gut etabliert. Die FEDIAF (Fédération européenne de l'industrie des aliments pour animaux familiers) gibt detaillierte Mindest- und Maximalwerte für Nährstoffe in Wachstumsfutter heraus, die regelmäßig auf Basis aktueller Forschung aktualisiert werden.
Der wohl meistzitierte Befund stammt von Hazewinkel et al. (1985): Eine Calcium-Überversorgung in der Wachstumsphase führt bei großwüchsigen Hunden zu Skelettstörungen wie Osteochondrose und Wachstumsstörungen. Die Studie an jungen Doggen ist bis heute Grundlage der Höchstmengen für Calcium in Welpenfutter. Schoenmakers, Hazewinkel et al. (2000) bestätigten diese Befunde später und zeigten, dass auch eine zu niedrige Calciumzufuhr negative Folgen hat – die richtige Menge zählt, nicht möglichst viel.
Lauten-Schlatter und Fascetti (2012) wiesen darauf hin, dass selbstgekochte oder BARF-Rationen häufig unausgewogen sind. Eine Untersuchung von Stockman et al. (2013) ergab, dass über 90 Prozent der untersuchten hausgemachten Rationen mindestens einen kritischen Nährstoff nicht ausreichend lieferten. Dimopoulou et al. (2017) bestätigten ähnliche Defizite in Rohfutter-Rezepten.
Vitomalia-Position
Wir empfehlen ein qualitativ hochwertiges Welpenfutter, das den FEDIAF-Vorgaben entspricht und zur Größenklasse passt. Großwüchsige Rassen brauchen ein dezidiertes Junior-Futter für große Hunde – nicht das gleiche Produkt wie ein Yorkie. Wir lehnen ausdrücklich pauschale BARF-Empfehlungen für Welpen ohne ernährungsmedizinische Begleitung ab. Die Risiken einer Fehlversorgung in der Wachstumsphase sind belegt und nicht reversibel.
Wir lehnen auch übermäßiges Aufpäppeln ab. Ein zu schnell wachsender Welpe ist kein gesunder Welpe, sondern ein gesundheitliches Risiko.
Wann wird Welpenfutter relevant?
Welpenfutter ist ab dem Zeitpunkt der Beifütterung beim Züchter (ca. 3.–4. Woche) bis zum Wachstumsabschluss relevant. Der Wachstumsabschluss ist rasseabhängig: Kleine Hunde sind mit etwa 8–10 Monaten ausgewachsen, große mit 12–18 Monaten, Riesenrassen erst mit 18–24 Monaten. Bis dahin gilt: Welpen- bzw. Junior-Futter ist die fachlich saubere Wahl. Themen wie Welpenerziehung und Fütterung greifen dabei ineinander – Mahlzeiten sind Lerngelegenheiten und Bindungsmomente.
Praktische Anwendung
- Größenklasse zuordnen: Erwartetes Endgewicht ermitteln (ggf. beim Tierarzt). Danach das passende Welpen-/Junior-Futter wählen.
- FEDIAF-Konformität prüfen: Hochwertige Hersteller deklarieren transparent. Bei Unsicherheit ernährungsberaterische Rücksprache.
- Portionen anpassen: Herstellerempfehlung als Ausgangspunkt, individuell anpassen nach Body Condition Score (BCS). Ziel ist gleichmäßiges, nicht maximales Wachstum.
- Mahlzeiten verteilen: Bis 4 Monate 4 Mahlzeiten täglich, danach 3, ab 6 Monaten meist 2 Mahlzeiten.
- Nicht supplementieren: Vor allem Calcium nicht zusätzlich geben. Hochwertiges Welpenfutter ist vollwertig.
- Wachstum beobachten: Regelmäßiges Wiegen, BCS-Check. Bei Unsicherheit tierärztlich abklären.
Häufige Fehler und Mythen
- "Mehr Calcium ist besser." Falsch. Hazewinkel et al. (1985) zeigten klar, dass Calcium-Überversorgung bei großwüchsigen Welpen Skelettschäden verursacht. Mehr ist nicht besser – die FEDIAF-Mengen sind die Ziel-, nicht die Mindestwerte.
- "Mein Welpe wächst zu langsam, ich muss mehr füttern." Schnelles Wachstum ist nicht gesund, sondern riskant. Großwüchsige Rassen sollen langsam wachsen.
- "BARF ist artgerechter." Studien (Dimopoulou et al. 2017) zeigen, dass BARF-Rationen oft Nährstofflücken haben. Für Welpen ist das besonders kritisch.
- "Adultfutter geht auch." Adultfutter deckt nicht den erhöhten Wachstumsbedarf an Energie, Protein und Mineralstoffen.
- "Vitamine zusätzlich schaden nicht." Doch – fettlösliche Vitamine wie Vitamin D können bei Überdosierung toxisch wirken. Hochwertiges Welpenfutter braucht keine Zusätze.
Wissenschaftlicher Stand 2026
Die Evidenz zu Welpenfutter und Wachstumsfütterung ist gut: Calcium-Phosphor-Verhältnis ist entscheidend, FEDIAF-Vorgaben sind belastbar, Fehlversorgung in der Wachstumsphase hat Langzeitfolgen. Offene Fragen betreffen die Rolle einzelner Mikronährstoffe, den Einfluss früher Fütterung auf das Mikrobiom und individualisierte Ernährungsansätze. Erste Hinweise deuten an, dass die frühe Ernährung das spätere Allergie- und Adipositasrisiko mitprägen kann (Hemida et al. 2021).
Häufig gestellte Fragen
Wie lange Welpenfutter füttern?
Bis zum Wachstumsabschluss – kleine Hunde ca. 10 Monate, mittlere bis 12, große bis 18, Riesenrassen bis 24 Monate.
Trockenfutter oder Nassfutter für Welpen?
Beides ist möglich, sofern es vollwertig deklariert ist. Mischfütterung kann sinnvoll sein. Wichtig ist die Gesamtbilanz, nicht die Konsistenz.
Mein Welpe frisst nicht – was tun?
Erst Tierarzt zur Klärung. Bei gesunden Welpen meist Phasen normaler Appetitschwankung. Nicht mit Leckerlis überfüttern.
Wie erkenne ich gutes Welpenfutter?
FEDIAF-Konformität, klare Deklaration, passend zur Größenklasse, Hersteller mit Ernährungsexpertise. Werbeversprechen sagen wenig aus.
Verwandte Begriffe
Quellen und weiterführende Literatur
- Hazewinkel, H. A. W., Goedegebuure, S. A., Poulos, P. W., & Wolvekamp, W. T. C. (1985). Influences of chronic calcium excess on the skeletal development of growing Great Danes. Journal of the American Animal Hospital Association, 21, 377–391.
- Schoenmakers, I., Hazewinkel, H. A. W., et al. (2000). Effects of diets with different calcium and phosphorus contents on the skeletal development and blood chemistry of growing Great Danes. Veterinary Record, 147(23), 652–660.
- FEDIAF (2024). Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. European Pet Food Industry Federation.
- Dimopoulou, M., Stylianaki, I., et al. (2017). Evaluation of nutritional adequacy of homemade raw diets for adult dogs. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, 101(S1), 70–73.
- Stockman, J., Fascetti, A. J., et al. (2013). Evaluation of recipes of home-prepared maintenance diets for dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 242(11), 1500–1505.
- Hemida, M., Vuori, K. A., Salin, S., et al. (2021). Identification of modifiable pre- and postnatal dietary and environmental exposures associated with owner-reported canine atopic dermatitis. Frontiers in Veterinary Science, 8.


Welpenerziehung: Bedeutung und fachliche Einordnung
Welpenschutz beim Hund: Entwicklung und Alltag verstehen