Herzwürmer beim Hund: Übertragung, Symptome & Behandlung

Was sind Herzwürmer beim Hund?

Herzwürmer (Dirofilaria immitis) sind fadenwurmartige Parasiten, die in der Pulmonalarterie und den herznahen Gefäßen von Hunden leben. Sie werden durch Stechmücken der Gattung Culex, Aedes und Anopheles übertragen. In Deutschland sind Herzwürmer nicht endemisch — aber für Reisehunde in den Mittelmeerraum, Südeuropa und tropische Regionen ist Herzwurm-Prophylaxe obligat.

Die adulten Würmer können 25–30 cm lang werden und sich über Jahre in der Pulmonalarterie befinden, bevor klinische Symptome auftreten. Unbehandelt führt die Herzwurmerkrankung zur Pulmonalhypertension, Herzversagen und Tod.

Hintergrund + wissenschaftliche Einordnung

McCall et al. (2008, Advances in Parasitology, PubMed 18394487) beschrieben Herzwurmerkrankung umfassend: D. immitis-Infektionen folgen einem mehrstufigen Entwicklungszyklus — Mikrofilarien werden von der Mücke aufgenommen, zu infektionsfähigen L3-Larven entwickelt, und beim Stich auf den Hund übertragen. Von der Infektion bis zu adulten Würmern vergehen 6 Monate (Präpatenzzeit) — in dieser Phase sind Schnelltests negativ. Enzyme-linked immunosorbent assays (ELISA) für D. immitis-Antigen sind der Diagnosestandard.

Simón et al. (2012, Clinical Microbiology Reviews, PubMed 22232373) analysierten die Ausbreitung von Dirofilariose weltweit: Klimawandel und zunehmender Reiseverkehr mit Hunden haben das Verbreitungsgebiet nach Norden verschoben. Norditalien, Frankreich und Teile Spaniens sind hochendemisch. Zoonotisches Potenzial: Menschen können mit D. immitis infiziert werden (seltene, meist asymptomatische Lungengranulome). Prävention durch monatliche Makrolide (Ivermectin, Milbemycin) ist hochwirksam.

Carretón et al. (2014, Parasites & Vectors, PubMed 25016576) evaluierten das Behandlungsprotokoll mit vorheriger Doxycyclin-Gabe: Doxycyclin eliminiert Wolbachia-Bakterien (intrazelluläre Endosymbionten der D. immitis), was die Adultzidtherapie mit Melarsomin weniger entzündungsreaktiv und effektiver macht. Präadultzidbehandlung mit Doxycyclin + Ivermectin + Prednison ist moderner Standard.

Vitomalia-Position

Herzwürmer sind in Deutschland kein Alltag — aber für Reisehunde kein optionaler Schutz. Ein Urlaub am Mittelmeer ohne Prophylaxe ist ein kalkuliertes Risiko, dessen Konsequenzen (aufwendige, teure und risikoreiche Adulzid-Therapie) in keinem Verhältnis zur einfachen Prävention stehen.

Wann werden Herzwürmer beim Hund relevant?

  • Bei geplanter Reise in Herzwurm-Endemiegebiete (Südeuropa, Mittelmeer, Tropen)
  • Bei Hunden aus dem Auslandstierschutz (Spanien, Griechenland, Rumänien): Test vor Einreise empfohlen
  • Bei Symptomen: Husten, Belastungsintoleranz, Gewichtsverlust bei Reisehunden
  • Mindestens 6 Monate nach Rückkehr aus Endemiegebiet: Antigen-Test empfohlen
  • Als Teil der Reiseprophylaxe neben Zecken, Sandmücken und anderen Parasiten

Praktische Anwendung

Herzwurm-Prophylaxe und Diagnostik:

Maßnahme Zeitpunkt Mittel
Prophylaxe Monatlich ab 2–4 Wochen vor Reise Ivermectin, Milbemycin, Moxidectin
Diagnose Antigen-Test (ELISA) Tierarzt — ab 6 Monate nach Exposition valide
Vor Prophylaxe Test auf vorhandene Infektion Bei unbekannter Exposition
Therapie adulter Würmer Melarsomin-Injektion Nur unter tierärztlicher Aufsicht
Vorbehandlung Doxycyclin 30 Tage + Ivermectin Vor Adulzidtherapie

Symptome nach Infektionsstadium: - Frühstadium: keine Symptome (Würmer noch jung, wenig) - Mittelstadium: Belastungshusten, schnelle Ermüdung - Spätstadium: Herzversagen, Aszites, Synkopen, Embolien

Häufige Fehler & Mythen

  • „In Deutschland brauchen wir keine Herzwurmprophylaxe." In Deutschland nicht endemisch — aber bei Mittelmeerreisen ab dem ersten Tag vor Ort obligat. Mit dem ersten Mückenstich beginnt das Risiko.
  • „Einmalige Injektion nach dem Urlaub schützt." Prophylaxe muss präventiv gegeben werden — eine Behandlung nach Infektion ist aufwendig und riskant. Monatliche Prophylaxe beginnt VOR der Reise.
  • „Der Antigentest ist sofort positiv." Nein — 6 Monate Präpatenzzeit. Ein Test 2 Monate nach Rückkehr kann falsch-negativ sein. Test 6+ Monate nach Exposition ist zuverlässig.

Wissenschaftlicher Stand 2026

Resistenzentwicklung gegen Makrolide (Ivermectin) ist aus den USA bekannt, in Europa noch selten. Klimawandel verschiebt das Verbreitungsgebiet weiter nordwärts — vereinzelte autochthone Fälle in Südfrankreich und Norditalien zunehmend. Neue Testformate (Kombinations-ELISA für mehrere Herzparasiten) vereinfachen Diagnostik bei Reisehunden.

Häufig gestellte Fragen

Braucht mein Hund Herzwurmprophylaxe für den Mittelmeer-Urlaub?

Ja — in Spanien, Südfrankreich, Italien und Griechenland ist Dirofilaria immitis prävalent. Prophylaxe (monatliches Makrolid) sollte 2–4 Wochen vor Reiseantritt beginnen und bis 1–2 Monate nach Rückkehr fortgeführt werden. Tierarzt kontaktieren.

Wie wird Herzwurmbefall beim Hund behandelt?

Protokoll: Doxycyclin 30 Tage (eliminiert Wolbachia) + Ivermectin monatlich, dann Melarsomin-Injektionen (Adulzidtherapie) in 3–4-wöchigem Abstand. Strenge Bewegungseinschränkung während der Therapie essenziell — tote Würmer verursachen Embolien bei Belastung. Gesamtdauer ca. 3–5 Monate.

Wie erkenne ich Herzwürmer beim Hund?

Frühstadium: keine Symptome — darum Antigentest nach Rückkehr. Spätstadium: anhaltender Husten, Belastungsintoleranz, Gewichtsverlust, Synkopen, aufgetriebener Bauch (Aszites). Diagnose: ELISA-Antigentest (> 6 Monate nach Exposition) + Mikrofilarienmikroskopie + Echokardiographie beim Tierarzt.

Verwandte Begriffe

Quellen & weiterführende Literatur

  1. McCall, J. W., Genchi, C., Kramer, L. H., Guerrero, J., & Venco, L. (2008). Heartworm disease in animals and humans. Advances in Parasitology, 66, 193–285. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18394487/

  2. Simón, F., Siles-Lucas, M., Morchón, R., González-Miguel, J., Mellado, I., Carretón, E., & Montoya-Alonso, J. A. (2012). Human and animal dirofilariasis: the emergence of a zoonotic mosaic. Clinical Microbiology Reviews, 25(3), 507–544. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22232373/

  3. Carretón, E., Morchón, R., Simón, F., González-Miguel, J., Juste, M. C., & Montoya-Alonso, J. A. (2014). Cardiopulmonary and inflammatory biomarkers in the assessment of the severity of canine dirofilariosis. Parasites & Vectors, 7, 447. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25016576/