Zweithund – ja oder nein? Ab Wann und Welche Konstellation?

Immer mehr Menschen machen sich Gedanken darüber, einen Zweithund aufzunehmen. Wir werden dann von euch häufig gefragt: “Ist das wirklich mehr Arbeit? Ich muss ja eh raus gehen”. Leider unterschätzen einige den Aufwand eines Zweithundes unserer Meinung nach. Zusätzlich zum Aufwand spielen Faktoren wie Geld, Zeit und Geduld eine wichtige Rolle für diese Entscheidung.

 

Bin ich bereit für einen Zweithund?

Ein Hund ist sehr zeitintensiv. Jeder, der das Gegenteil behauptet, beschäftigt sich nicht richtig und artgerecht mit seinem Hund. Natürlich gibt es Hunde, die weniger Auslastung benötigen wie andere. Das ist abhängig von Rasse, Charakter, Alter und Gesundheitsstand. In der Regel benötigt ein Hund etwa eine Stunde Training am Tag, bei zwei Hunden wären es schon zwei Stunden. Hier ist es wichtig, dass nur Einzeltraining so richtig kognitiv fördern kann. Gemeinsames Training ist schön und toll und auch wichtig – Einzeltraining aber um so wichtiger.

Neben der zeitlichen Komponente muss auch das Finanzielle angesprochen werden. Bei einem Zweithund kommt immer noch zusätzliches Futter hinzu, Steuern, Spielsachen usw. Ein grossen Stellenwert tragen die Tierarztkosten. Für einen Hund bekommt man, je nach Krankheitsgrad eventuell noch die Kosten zusammen. Bei zwei kranken Hunden kann das sehr tief ins Portemonnaie gehen. Eventuell lohnt sich an dieser Stelle eine Krankenversicherung für die Hunde, aber Vorsicht, auch die hat einen monatlichen Betrag, der vom Konto abgeht.

 

Ist mein Hund für einen neuen Mitbewohner bereit?

Das ist eine sehr wichtige Frage. Nur weil du Lust auf einen weiteren Hund hast, musst das dein Hund nicht gleich sehen. Es gibt viele Hunde, denen es völlig ausreicht nur mit ihren Menschen zusammen zu leben. Der Gedanke, dass man wenig Zeit für den Ersthund hat und ihm dann ein Zweithund Gesellschaft bieten könnte ist grundlegend falsch. Wenn du nicht genug Zeit für einen Hund hast, dann hol dir doch nicht noch einen zweiten.

Ob dein Hund offen für einen neuen Mitbewohner ist, das ist sehr individuell und kann vom Charakter des Hundes abhängig sein: Ist er offen mit anderen Hunden? Oder verhält er sich territorial? Mag sie nur Rüden? Stell dir auch die Frage, was für einen Hund du jetzt hast und was für einer der Zweithund werden soll. Charakterlich und rassespezifisch sollte man darauf achten, dass die Hunde Gemeinsamkeiten haben, da es bei sehr konträren Rassen einiges schwieriger werden kann. Hast du einen Husky und holst dir einen Mops, ist die Auslastung nicht vergleichbar und kann zwischen den Hunden auch für Ungleichheiten sorgen. Unabhängig von der Rasse ist es charakterlich nicht vorteilhaft zu einem sehr ruhigen Hund einen  sehr aktiven zu nehmen. Das führt in der Regel nur zu Unstimmigkeiten.

Das kann natürlich auch vom Alter abhängen, denn alte ruhige Hunde haben nicht sonderlich viel Lust auf einen aufgedrehten Hund oder Welpen und suchen lieber ihre Ruhe. Warum dann noch im hohen Alter unnötig stressen?

Ein grundlegendes Problem kann entstehen, wenn der Ersthund für lange Zeit gewisse Privilegien alleine geniessen konnte, wie das eigene Spielzeug. Das kann schon zu einem grossen Konfliktthema führen, dass man schon vorher beheben sollte, indem jeder Hund sein eigenes Spielzeug bekommt. Wir kaufen unser Spielzeug, das für die Hunde zur verfügung steht, meist zwei Mal. Alle Spielsachen, die offen zur Verfügung stehen, haben wir also doppelt. Trotzdem nehmen Vito und Amalia sich das Spielzeug gerne gegenseitig weg. So ein Verhalten kann Spiel sein, muss aber streng beobachtet werden, sobald es zur Regelmässigkeit wird. Bei Hundebetten ist das ähnlich. Pro Hund sollte man mindestens ein Hundebett mehr haben. Bei einem Zweihund-Haushalt wären das drei Hundebetten. Das bietet den Hunden genug Ausweichmöglichkeiten, die sie im Haus auf jeden Fall benötigen.

Wenn du nun alle oberen Punkte beachtet hast, dann haben wir nun noch eine Checkliste für dich:

Wann einen Zweithund?

Ein Zweithund sollte erst in Frage kommen, wenn der Ersthund alle Grundkommandos beherrscht. Zwei Welpen zu holen oder den Zweithund während der Ersthund noch Welpe oder Junghund ist, empfehlen wir auf keinen Fall. Das kann negative Auswirkungen auf beide Hunde haben. Wir empfehlen dir den Zweithund erst zu holen, wenn der Ersthund 1-1,5 Jahre alt ist. Vito zum Beispiel war 15 Monate, als wir Amalia aufgenommen haben. Amalia war zu diesem Zeitpunkt kein Welpe mehr und wir wussten, dass sie ein Problem Hund ist. Hätte Vito zu diesem Zeitpunkt nicht eine sehr gute Grundgehorsam und Sozialisierung erlebt, dann wäre es einfach nur unüberlegt und vor allem fahrlässig.

Erstes gemeinsames Foto von Vito und Amalia

 

Vorbereitung

Den aller ersten Gedanken bei der Vorbereitung sollten die Privilegien spielen. Was wird dein Ersthund nicht mehr dürfen, was er jetzt darf. Ein klassisches Beispiel ist das Schlafen im Bett. Mit einem Hund im Bett passt es vom Platz noch ganz gut, aber mit zwein wird es eventuell eng. Wenn also dein Ersthund dieses Privileg nicht mehr dürfen wird, dann gewöhne es ihm schon Wochen vorher ab. So stellst du sicher, dass das Negative nicht auf den Neuankömmling gespiegelt wird und es zu Frust kommt. Das gilt auch für alle weiteren Privilegien oder Verhaltensweisen, die mit zwei Hunden nicht trag- oder machbar sind.

Bei der Auswahl eines neuen vierbeinigen Mitbewohners sollte dein Ersthund eine tragende Rolle spielen. Er soll dir im Wesentlichen dabei helfen, welchen Hund er gut “riechen” kann. Wie auch bei uns Menschen mögen sich nicht alle Hunde. Bei Welpen ist es für dich noch wichtig zu wissen, dass es den sogenannten “Welpenschutz” nur im natürlichen Rudel gibt. Also Welpen, die nicht aus dem selben natürlichen Rudel stammen, werden so wie alle vermeidlichen Feinde behandelt. Lass deinen Ersthund also gerne mitentscheiden, wenn er gut riechen kann. Das wird dir bei der Vergesellschaftung sehr behilflich sein. 

Erste Begegnung auf neutralem Boden

Die erste Begegnung – oder wie man sagen würde – Vergesellschaftung, sollte auf neutralem Boden stattfinden. Und mit neutral ist wirklich neutral gemeint, also eine Route oder Wiese, die auch der Ersthund nicht kennt. Territoriales Verhalten kann sich auch auf “seiner” Gassi Runde zeigen, die er wahrscheinlich sehr gut kennt. Nimm dir am Besten jemanden zur Hilfe und lauft gemeinsam normal Gassi an der Leine. Bewegung baut viel Stress ab und eignet sich deshalb hervorragend. Die Hunde erhalten so die Möglichkeit sich zu riechen und trotzdem nicht direkt miteinander konfrontiert zu werden.

Als nächstes eignet sich der sogenannte “Schnupperkus”. Bei dem geht es um das langsame Heranschnüffeln der Hunde. Hunde kommunizieren stark über Gerüche und Körpersprache. Achte dabei wie sich beide Hunde verhalten. Den genauen Schnupperkurs haben wir in der Welpenerziehung beschrieben.

 

Checkliste für das Training

Das Training kann nun beginnen. Gehe stets mit zwei separaten Leinen Gassi, wenn du beide Hunde gleichzeitig ausführst. Das hat den Vorteil, dass du die Hunde gegebenenfalls separat steuern kannst. Das Training sollte immer im Einzel-Setting stattfinden und sich mit voller Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse des jeweiligen Hundes anpassen. Amalia braucht viel Aktion und Auslastung, muss aber auch viel Ruhe lernen. Vito muss auf keine Fall Ruhe lernen, sondern muss zusätzlich etwas gepusht und motiviert werden. Auch von den Aktivitäten her mögen sie unterschiedliche Dinge. Der Hund muss als Individuum gesehen und auch so behandelt werden.

Die Fütterung ist ein wichtiger Punkt. Übe je nach Hunden die gleichzeitige Fütterung im selben Raum und nähere den Abstand immer näher an. Wir sassen sehr lange bei der Fütterung dabei, weil wir aufpassen mussten, dass Amalia nicht zu Vitos Napf rennt und bei ihm alles weg schlingt. Einige Hunde lernen das schnell, andere benötigen länger. Pass die kontrollierte Fütterung dem Lernerfolg deiner Hunde an.

Und der letzte Punkt ist die bewusste gemeinsame aber auch getrennte Zeit. Es ist wichtig, dass die Hunde verstehen, dass man gemeinsam Spass haben kann. Aber sie sollen auch die Aufmerksamkeit bekommen, die sie benötigen. Wenn du all das beachtest, dann steht einem harmonischen Miteinander nichts im Weg.

 

Jetzt solltest du für alle Eventualitäten gewappnet sein und wissen, ob ihr bereit für einen neuen Mitbewohner seid und wenn ja, wie ihr es idealerweise aufbaut.

 

Halt die Ohren steif und immer der Nase nach!

 

 

HIER KANNST DU DIR DIE PDF MIT DEN CHECKLISTS DOWNLOADEN PDF_Zweithund_Checklist

 

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