Sinnesorgan Auge Vitomalia
Vitomalia

Vitomalia

Wie sehen Hunde? Das Sinnesorgan Auge beim Hund

 

Jetzt stellt sich zunächst einmal die Frage: Warum ist das wichtig? Wenn wir unsere Hunde besser verstehen wollen, dann müssen wir auch verstehen, wie sie funktionieren. Zum Funktionieren ist kaum etwas so wichtig wie die Sinnesorgane. In diesem Blog geht es mehr um das Auge. Nur wenn wir verstehen, wie Hunde die Umwelt mit ihren Augen wahrnehmen, dann können wir das Training, Spiel und unser Zusammenleben ideal gestalten. Wir können den Hund nicht zum Augenarzt oder Optiker führen um einen Sehtest durchzuführen, trotzdem konnten wir aus einigen Studien bisher sehr gute und wichtige Erkenntnisse gewinnen.

Die visuelle Funktion, also das Sehen, ist eine Kombination aus vielen Faktoren:

  1. Gesichtsfeld (wie breit sehe ich),
  2. Tiefenwahrnehmung (kann ich in der Ferne etwas sehen),
  3. Schärfe (Fokussierfähigkeit),
  4. Bewegungswahrnehmung (Sehen von bewegten Objekten) und
  5. Farbsehen (welche Farben sind sichtbar).

Die Anatomie des Auges

Hundeauge Tapetum Lucidum                   Hundeauge

Die Netzhaut (oder auch Retina genannt) ist der lichtempfindlichste Teil des Auges. Diese Struktur befindet sich auf der Rückseite der Innenseite des Augapfels. Die Netzhaut enthält zwei Arten von lichtempfindlichen Zellen: Stäbchen und Zapfen. Zapfen sorgen für die Farbwahrnehmung und die Detailsicht, während Stäbchen die Bewegung und die Sicht bei schwachem Licht erfassen. Beim Menschen sind etwa 5% Zapfen vorhanden und beim Hund etwa 2%. Hier können wir schon erste Schlüsse ziehen, denn die Zapfen sind für die Farb- und Detailsicht zuständig und der Hund hat davon weniger als der Mensch.

Hunde sind sogenannte Makrosmatiker (Grossriecher) und somit verfügen sie über einen nicht so guten Sehsinn. In ihrer Wahrnehmung konzentrieren sie sich also auf andere Sinne. 

Gesichtsfeld

Die Position der Augen im Kopf bestimmt den Grad des Gesichtsfeldes. Hundeaugen sind meist recht weit seitlich am Kopf angebracht, was zu einem Gesichtsfeld von insgesamt 240° Grad führt. Der Mensch hingegen hat ein Gesichtsfeld von 200° Grad. Je nach Hunderasse stehen die Augen in einem Winkel von 20° Grad zueinander, was dazu beiträgt das das Gesichtsfeld sehr weit ist und somit erhöht es die periphere Sicht des Hundes. 

      

Tiefenwahrnehmung

Zwar haben Hund ein besonders grosses Gesichtsfeld von 240° Grad, jedoch ist das binokulares Sehen (beidäugiges Sehen) mit 60° Grad recht gering. Beidäugiges Sehen tritt dort auf, wo sich das Sichtfeld beider Augen überlappt. Das beidäugige Sehen ist für die Tiefenwahrnehmung notwendig. Die breiter gesetzten Augen von Hunden gibt es demnach weniger Überlappungen und ihr binokulares Sehen ist daher geringer und somit auch mit weniger Tiefenwahrnehmung. Es gibt zudem noch klare Zusammenhänge zwischen der Kopfform und der Verteilung der Nervenzellen in der Netzhaut: Je kürzer die Schnauze des Hundes, desto kleiner ist das Gesichtsfeld.

Schärfe

Die Sehschärfe bei normalen Hunden liegt gerade einmal bei 20-40% der Sehschärfe eines gesunden Menschen. Hunde haben somit eine 5 Mal geringere Auflösung wie wir Menschen. Erst ab einem Abstand von etwa 0,5m, sehen Hunde ein Objekt wirklich scharf. Ein Objekt, das wir Menschen mühelos auf 30m Entfernung sehen können, nimmt der Hund ohne Bewegung ab 6m wahr. Zwar ist die Sehschärfe beim Hund geringer, aber dafür ist diese viel mehr auf die Bewegung optimiert. Das liegt vor allem an der hohen Stäbchenzahl bei Hunden, die wie wir davor gelernt haben, für die Bewegung und die Sicht bei schwachem Licht zuständig sind. Bestimmte Rassen haben aber eine bessere Sehschärfe. Labradore, die häufig als Blindenhunde verwendet werden, werden vor allem auf eine optimale Sehkraft gezüchtet und können somit eine besonders hohe Sehkraft haben.

Bewegungswahrnehmung

Hunde haben im Gegensatz zu uns Menschen eine höhere Flickerfusionsfrequenz (Flimmerverschmelzungsfrequenz), die vor allem durch die Stäbchen entsteht. Wenn wir also an eine Neonröhre denken mit 50Hz, dann flickert diese also pro Sekunde 50 Mal. Wir Menschen können es gar nicht richtig wahrnehmen, ein Hund kann unter Umständen das ständige Flickern des Kunstlichtes wahrnehmen. Du kannst dir vorstellen, wie stressig dieses Flickern sein kann. Gerade bei gestressten Hunden oder Hunden die zu epileptischen Anfällen tendieren, sollte man besonders vorsichtig sein und achtsamer mit dieser Art von Stress umgehen, den wir Menschen so gar nicht wahrnehmen.

Bewegungsschärfe: links beim Menschen, rechts beim Hund

Hunde sehen also aufgrund der grossen Anzahl von Stäbchen in der Netzhaut bewegte Objekte viel besser als starre, unbewegte Objekte. Wenn du also unbewegt auf einem Feld stehst, dann wird dein Hund dich nicht wirklich sehen können. Erst durch deine Bewegung oder durch deinen Geruch oder deine Stimme wird dich dein Hund wahrnehmen. Gerade beim Training mit deinem Hund kannst du dir diese Art von Wissen besonders zu Nutzen machen. Wenn du also möchtest, dass dein Hund eine Aktion durchführt, die auf einem stillen Signalwort basiert, empfehlen wir eine weitreichende Hand- und Armbewegung zu verwenden um deinen Hund zu führen und die Aufmerksamkeit auf dich zu lenken. 

Farbsehen

Menschen sehen trichromatisch und der Hund dichromatisch. Der Hund hat also ein Farbspektrum von Blau, Gelb und Grau und kann somit die Farben Grün, Gelb, Orange und Rot nicht voneinander unterscheiden. Gerade bei Spielzeug oder anderen Situationen kann dieses Wissen sehr hilfreich für dich sein. Zwar verlassen sich Hunde sowieso eher weniger auf ihr Farbsehen und verwenden andere Sinne (wie Geruch, Textur, Helligkeit und Position), trotzdem kann man mit blauem Spielzeug bessere Ziele erreichen und die Orientierung beim Hund steigern. Blindenhunde zum Beispiel unterscheiden nicht zwischen einem grünen und einem roten Ampellicht; sie betrachten die Helligkeit und Position des Lichts und können so die Situation einschätzen. 

Tapetum Lucidum

Tapetum Lucidum von innen

Das Tapetum Lucidum sehen wir meistens, wenn wir unsere Hunde mit Blitz fotografieren. Es ist der „Spiegeleffekt“ des Tapetums, der zu dem „Augenglanz“ führt, der blau-grün schimmert. Das Tapetum Lucidum hat eine sehr wichtige Funktion für Hunde und andere Tiere. Es befindet sich noch hinter der Retina (Netzhaut) und liegt am oberen Teil des Auges. Evolutionär bedingt ist das Tapetum Lucidum sehr wichtig, denn früher waren die Säugetiere vor allem Nachts auf der Jagd. Vor allem für Beutegreifer wie der Hund ist es sehr effektiv, denn sie suchen ihre Beute meist unten auf dem Boden und das einfallende Licht wird bei Dämmerung doppelt reflektiert und weiter an die Sinneszelle gesendet. Es funktioniert also wie ein Restlichtverstärker.Während das dunkle Lichtsehen durch das Tapetum verbessert wird, kann die Streuung des reflektierten Lichts zu einer verminderten Schärfe führen.

Bei Hunden mit weißem Fell, Hunden mit Merle Fell oder besonders hellblauen Augen wie dem Husky kann es sein, dass das Tapetum fehlt. Die Sicht in der Dämmerung und Dunkelheit ist demnach geschwächt. Du kannst das übrigens ganz leicht testen, ob dein Hund ein Tapetum Lucidum besitzt oder nicht. Mache ein Foto von deinem Hund mit Blitz. Schaue das Foto dann an: Sind die Augen deines Hundes blau-grün schimmernd, dann verfügt er über ein Tapetum Lucidum. Sind die Augen auf dem Foto jedoch rot wie bei uns Menschen auch, dann besitzt dein Hund kein Tapetum Lucidum.

       

Wir Menschen haben kein Tapetum Lucidum und benötigen es evolutionär bedingt auch nicht. Unsere Sicht in der Dämmerung und Dunkelheit ist demnach auch sehr schlecht.

Haben blinde Hund eine hohe Lebensqualität?

Für viele von uns ist es gar nicht vorstellbar wie es ist, wenn man nicht sehen kann. Da liegt die Frage natürlich sehr nah, ob blinde Hunde überhaupt ein glückliches und unbeschwertes Leben führen können. Die Antwort ist definitiv JA! Hunde führen ein glückliches Leben, solange sie sich wohl fühlen. Der Hundehalter muss möglicherweise einige Anpassungen in der Umgebung desHaustieres vornehmen. Einige dieser Anpassungen beinhalten das Umzäunen des Gartens, das Gehen an der Leine um den Hund eine bessere Führung zu gewährleisten und das Wegstellen ungewöhnlicher Gegenstände auf den normalen Wegen des Hundes durch das Haus. Zudem sollte stark darauf geachtet werden, dass Treppen abgesichert werden, denn diese stellen eine lebensbedrohliche Gefahr dar.

Wenn sich blinde Hunde sich also in ihrer normalen Umgebung befinden, bemerken die meistenMenschen nicht, dass sie blind sind. Das veranschaulicht recht deutlich die Fähigkeit von Hunden, sich stark auf ihre anderen Sinne, nämlich den Geruch und das Hören, zu verlassen.

Fazit für dein Training mit Hund

Hunde sehen nicht schlechter als wir Menschen, die sehen einfach anders:
  • Hunde sehen im Nahbereich unscharf und erst ab 0,5m scharf
  • Bei vollem Tageslicht sehen sie eher schlecht
  • Das Farbsehen von Hunden ist eingeschränkt
  • Die räumliche Auflösung ist gering und somit grobkörnig
  • Im Dämmerlicht sind uns Hunde weit überlegen
  • Hunde verfügen über ein breites Gesichtsfeld mit einer 60° Grad Tiefenwahrnehmung

Im Training bedeutet das für dich konkret, dass du Reize besser bewegt einsetzt, da dein Hund diese besser wahrnehmen wird. Arbeitet mehr mit Hell-Dunkel-Kontrasten anstatt mit Farben und wenn du dich bei Spielzeug etc. für eine Farbe entscheidest, dann wähle definitiv Blau.

Halt die Ohren steif und immer der Nase nach!

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