Sommer und Hund im Auto: Scheibe einschlagen erlaubt?
Vitomalia

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Sommer und Hund im Auto: Scheibe einschlagen erlaubt?

Jedes Jahr, wenn die Temperaturen ansteigen, ergibt sich leider häufig das gleiche Szenario: Hundehalter lassen ihren Hund bei Aussentemperaturen von 25°C und wärmer im Auto. Nicht schlimm? Oh doch!
Wir haben Andreas Ackenheil, Rechtsanwalt für Tierrecht, gefragt, wie man richtig reagiert, wenn man einen Hund im Auto entdeckt.

Nur Mal schnell einkaufen

Die Hunde sind im Auto und da fällt einem noch ein „Mist, ich muss ja noch einkaufen“. 10 Minuten schnell mal eben einkaufen, das kann bereits für den Hund tödlich enden. Bei Aussentemperaturen von gerade einmal 23°C erhitzt sich das Auto nach nur 10 Minuten auf unerträgliche 37°C. Eine Hitze, die für Tier und Mensch kaum zu ertragen ist. Aber sogar bei 23°C Aussentemperatur kann sich das Auto innerhalb von nur 30 Minuten schon auf knapp 50°C erwärmen!!! Du merkst, dass bereits milde 23°C enormes Aussmass annehmen können. Bei 38°C erreichen wir bereits eine Autotemperatur von 60°C.

 

Der Hund schwitzt nicht, oder doch?

Die Körpertemperatur reguliert der Hund im Gegensatz zu uns Menschen nicht durchs Schwitzen. Hunde können lediglich über ihre Pfoten schwitzen. Das reicht aber bei Weitem nicht aus, um die Körpertemperatur runter zu kühlen.

Der Sommer macht unseren Hunden also viel mehr zu schaffen, als kalte Wintertage. Vor allem das Hecheln dient dem Hund zur Regulation seiner Körpertemperatur. So wird die warme Luft über die Schnauze ausgeatmet und über die Nase kalte Luft eingeatmet. Der Speichel hilft zusätzlich, etwas abzukühlen. Je schneller der Hund hechelt, desto mehr kühlt er ab. Der Abkühlprozess ist also ein richtiger Kraftakt für unsere Hunde und erfolgt nur auf der kleinen Fläche der Pfoten und Zuge. Das ermöglicht dem Hund nicht annähernd so effektiv abzukühlen, wie uns Menschen. Dieser Abkühlungsprozess verbraucht extrem viel Flüssigkeit, weshalb es ganz wichtig ist, dass der Hund die Möglichkeit erhält, viel Wasser aufzunehmen.

Wenn nun ein Hund im Auto gelassen wird und sich die Innentemperatur aufheizt, hat der Hund keine Möglichkeit über seine Nase seine Körpertemperatur zu regulieren. Ist die Autotemperatur zu warm, erleidet der Hund einen Hitzeschlag, Kreislaufkollaps oder stirbt.

 

Wie handeln, wenn ich einen Hund im Auto sehe?

Vor allem vor Einkaufszentren sieht man immer wieder Hunde, die sich im Kofferraum befinden. Wie bereits oben erwähnt, haben Hunde nicht dieselben Möglichkeit wie wir Menschen, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Wenn du einen Hund im Auto siehst, dann solltest du in jedem Fall verhältnissmässig handeln.

Schlage ich eine Scheibe bei einem fremden Auto ein, begehe ich juristisch gesehen Schachbeschädigung und mache mich damit strafbar. Auf der anderen Seite rette ich mit dieser Straftat ein Hundeleben. Eine Scheibe kann im schlimmsten Fall ersetzt werden – ein Hundeleben nicht. Der Hundehalter sollte in einer Situation sogar froh darüber sein, dass ein Hund gerettet wurde. Der Hundehalter kann jedoch auch eine Strafanzeige gegen mich einreichen wegen einer Sachbeschädigung. Der Begriff ver Verhältnismässigkeit ist somit wie immer sehr situationsabhängig. Der Stand der Tiere ist aber im Recht leider noch nicht auf dem Status, den wir ihn gerne hätten. Deshalb ist es wichtig, dass in einer jeden einzelnen Situation abgewogen wird, welches Handeln notwendig ist.

 

Konsequenzen

Schlage ich eine Scheibe bei einem fremden Fahrzeug ein, dann droht mir als Konsequenz eine Geldstrafe, sofern es überhaupt zur Strafanzeige kommt. Diese Strafanzeige muss erstmal vom Staatsanwalt beurteilt werden, dass mein Handeln in dieser Situation nicht gerechtfertigt und nicht verhältnismässig war.

Der Halter des Hundes verstösst jedoch gegen die Tierschutz Hundeverordnung, indem er seinen Hund bei hohen Temperaturen im Auto lässt. Ein Bussgeld kann bis zu 25’000 Euro betragen. Juristisch gesehen gäbe es auch die Möglichkeit als Konsequenz dem Halter den Führerschein zu entziehen. In Frankreich wird diese Strafe bereits häufig praktiziert. Der Vorteil: Viele Autofahrer sind stark auf ihren Führerschein angewiesen und das fördert somit eine höhere Vorsicht. Der Hund kann dem Halter aber auch weggenommen werden oder es wird sogar ein generelles Tierhalteverbot ausgesprochen.

 

Verhältnismässiges Handeln

  1. Schaue, wie es dem Hund geht. Je nachdem,in welchem Zustand sich der Hund befindet, kannst du vor dem Scheibe einschlagen andere Massnahmen treffen.
    • Hechelt er langsam und ausgeglichen?
    • Ist das Hechel-Intervall bereits schnell und übermässig?
    • Kann der Hund sich noch auf allen Vieren halten?
    • Ist der Hund bereits zusammengesackt?
  2. Standortabhängig handeln.
    • Wo befindest du dich?
    • Ist Hilfe oder der Halter in der Nähe?
    • Ist ein Einkaufszentrum in der Nähe, wo ich den Halter über eine Information ausrufen kann?
    • Befindest du dich bei einer Wohnsiedlung und kannst an der Haustür klingeln?
  3. Polizei / Feuerwehr anrufen. Die Kosten für den Einsatz trägt der Halter.
    • Können sie helfen?
    • Schaffen sie es rechtzeitig?
  4. Wenn keine andere Möglichkeit mehr vorhanden ist, dann lieber handeln und die Scheibe einschlagen.

 

Hund gerettet, und dann?

ACHTUNG! Wenn du einen Hund aus einem Hitze geladenem Auto rettest, dann solltest du darauf achten, das du ihn nicht direkt mit Wasser übergiesst. Das führt unnötig zu einem Hitzeschlag! Kontaktiere direkt einen Tierarzt und bringe das Tier, wenn möglich direkt zur Kontrolle zu einem Tierarzt, damit dieser den Hund untersuchen kann und den Kreislauf stabilisiert. Falls du einen Lappen und Wasser hast, kannst du diesen anfeuchten und den Hund langsam abkühlen lassen. Gleiches gilt auch für das Trinken. Lasse den Hund lieber langsam und vorerst wenig trinken, um den Kreislauf nicht zu kippen.

 

Neues von Automobilherstellern und Alternativen

Einige wenige Automobilhersteller haben glücklicherweise reagiert und bieten Möglichkeiten an, die Temperaturen im Auto zu reagulieren, während der Hundehalter abwesend ist.

Man kann aber auch sein aktuelles Modell entsprechend umbauen lassen. Ob sich das lohnt, das ist wohl eher eine Budgetsache. Wahrscheinlich ist es günstiger, den Hund einfach zu Hause zu lassen.

Ein Foto machte auf Social Media die Runde, bei dem ein Hund im Auto sitz und an der Scheibe ein Zettel klebt mit der Aufschrift „Die Klimaanlage ist and und ich höre meine Lieblingsmusik“. Ist das erlaubt? Nun ja, es geht zwar in die richtige Richtung, aber tatsächlich kann man dafür eine Busse kassieren (zumindest in der Schweiz), da man gegen den Umweltschutz und Lärmbelästigung verstösst. In Deutschland sieht das recht ähnlich aus:

Die StVO § 30 zum Umweltschutz sowie zum Sonn- und Feiertagsfahrverbot definiert die Vorschriften zum laufenden Motor

Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten. Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen und Fahrzeugtüren übermäßig laut zu schließen. […]

 

Fazit

Zur Not die Strafe kassieren, denn Nichthandeln kann für den Hund tödlich enden. Wäge erst ab, in welchem Zustand der Hund sich befindet und passe deine Massnahmen dementsprechend an. Lieber handeln und nicht weg sehen!

 

Dieses Blog Beitrag erfolgte in Kooperation mit und Fachwissen von Andreas Ackenheil.

 

 

Tieranwalt Andreas Ackenheil

Raiffeisenstrasse 23 a

55270 Klein-Winternheim / Mainz

Tel.: 0 61 36 / 76 28 33

Fax: 0 61 36 / 76 32 91

Email: info@tierrecht-anwalt.de 

Instagram: https://www.instagram.com/tieranwalt_ackenheil/

Mehr als 400 Urteile zu Hunderecht: Hundebiss, Hundeberufler, Hundehaltung…
Pferderecht / Tierrecht  unter https://www.der-tieranwalt.de

 

 

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