Vitomalia
Vitomalia

Vitomalia

Kupierte Ohren und kupierte Rute beim Hund – Gesetzeslage in Deutschland, Österreich und Schweiz

Kupieren von Ohren und Rute

Das Wort „Kupieren“ kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie abschneiden. Jedes Tier kann kupiert werden, beim Hund handelt es sich um das Abscheiden bzw. Amputieren von Ohren und Rute. Das wurde früher wie heute meistens kurz nach der Geburt gemacht.

Früher wurde das Kupieren sogar bei einem gewissen Rassestandard erwünscht. Zu diesen Rassen zählen z.B. der Boxer, Rottweiler, Dobermann usw. Mittlerweile wurde es verboten, kupierte Hunde bei Ausstellungen auszustellen, es sei denn es war medizinisch notwendig (z.B. durch einen Unfall). Das selbe gilt auch für den Hundesport.

Trotzdem gibt es heutzutage immer noch Rassen, die kupiert werden. Meistens sind es die ganzen bullartigen Rassen, aber auch der American Pitbull Terrier oder der American Staffordshire Terrier werden immer noch kupiert.

Gesetzeslage in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz (TierSCHG) § 6

(1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn

  1. der Eingriff im Einzelfall

a) nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder

b) bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen

Gesetzeslage in der Schweiz nach der Tierschutzverordnung (TSchV) Art. 22

Art. 22 Verbotene Handlungen bei Hunden1 Bei Hunden sind zudem verboten:

a) das Coupieren der Rute und der Ohren sowie operative Eingriffe zur Erzeugung von Kippohren;

b) die Einfuhr von Hunden mit coupierten Ohren oder Ruten;

c) das Anpreisen, Verkaufen, Verschenken oder Ausstellen von Hunden mit coupierten Ohren oder Ruten, sofern diese den Eingriff unter Verletzung der schweizerischen Tierschutzbestimmungen erlitten haben.

Gesetzeslage in Österreich nach Tierschutzgesetz (TSchG) § 7

§ 7. (1) Eingriffe, die nicht therapeutischen oder diagnostischen Zielen oder der fachgerechten Kennzeichnung von Tieren in Übereinstimmung mit den anwendbaren Rechtsvorschriften dienen, sind verboten, insbesondere

  1. Eingriffe zur Veränderung des phänotypischen Erscheinungsbildes eines Tieres,
  2. das Kupieren des Schwanzes,
  3. das Kupieren der Ohren,
  4. das Durchtrennen der Stimmbänder,
  5. das Entfernen der Krallen und Zähne,
  6. das Kupieren des Schnabels.

(2) Ausnahmen von diesen Verboten sind nur gestattet

  1. zur Verhütung der Fortpflanzung oder
  2. wenn der Eingriff für die vorgesehene Nutzung des Tieres, zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist; diese Eingriffe sind in der Verordnung gemäß § 24 Abs. 1 Z 1 festzulegen.

Gesetzeslücke

Wie immer, gibt es auch bei diesem Bereich Gesetzeslücken. Zum Beispiel ist es nicht verboten, einen kupierten Hund aus dem Ausland einzuführen, wenn dieser Hund im Ausland geboren und im Ausland kupiert wurde. Viele Länder stellen sogar vom Tierarzt eine Kupierbescheinigung aus, so dass einer Einfuhr nach Deutschland nichts mehr im Weg steht. ABER es handelt sich um einen Strafbestand, wenn der Hund in Deutschland geboren wurde und für das Kupieren ins Ausland gebracht wird.

Das gilt aber nicht für Österreich und die Schweiz! Hier ist es absolut verboten kupierte Hunde einzuführen. Nach Österreich seit 2012 und in die Schweiz bereits seit 2002. Kupierte Hunde dürfen in die Schweiz und nach Österreich gegebenenfalls nur nach Absprache für einen Kurzaufenthalt einreisen. Wir zum Beispiel mussten, als wir in die Schweiz ausgewandert sind unsere Hunde beim Zoll vorzeigen, um zu beweisen, dass sich noch alles da befindet, wo es hingehört.

Warum wird kupiert?

  • Hunde für den Wach- und Schutzbereich

Hunden aus dem Wach- und Schutzbereich wurden überwiegend die Ohren kupiert. Vor allem Hunde mit Schlappohren sollten durch die kupierten Ohren besser hören und somit wachsamer sein.

 

  • Hunde für die Jagd

Bei der Jagd rennen die Hunde häufig durch Gestrüpp und da wurde präventiv die Rute bei kurzhaarigen Hunden kupiert, damit das Verletzungsrisiko geringer ist. Bei langhaarigen Hunden geht man davon aus, dass das Fell genug abdämpft bzw. einen guten Puffer bietet, so dass eine Verletzung nicht mehr so wahrscheinlich ist. Diese Form des Kupierens wird bis heute in Deutschland noch zugelassen.

 

  • Ästhetik

    Pitbull kupiert

Unbestritten: Kupierte Hunde wirken viel imposanter und wirken demnach auch „aggressiver“. Die Ästhetik ist eines der wohl häufigsten Gründe, warum Hunde bis heute noch kupiert werden. Gerade alle bullartigen Hunderassen oder Rassen wie der Dobermann oder American Pitbull Terrier erhalten durch kupierte Ohren einen viel gefährlicheren Look. Die Schlappohren, die diese Ohren jedoch von Geburt haben, sehen hingegen einfach nur süss aus.

Probleme beim Kupieren

Kommunikation

Gerade von der Rute hängt die wichtige canine Kommunikation ab. Ein Hund mit kupierter Rute kann sich somit nicht mehr richtig ausdrücken und wir von anderen Hunden gegebenenfalls auch falsch verstanden. Natürlich drückt sich ein Hund bei der nonverbalen Kommunikation nicht nur durch die Rute aus, aber sie ist ein sehr deutliches Merkmal.

Bewegung

Bei der Bewegung spielt die Rute eine tragende Rolle. Sie sorgt für Balance und gleicht den Hund bei Kurven oder Sprüngen aus. Ein Hund mit kupierter Rute hat demnach nicht annähernd so viel körperliche Agilität wie einer mit einer intakten Rute.

Schmerzen

Das Kupieren wird häufig im Welpenalter, nur wenige Tage nach der Geburt durchgeführt. Früher ging man tatsächlich davon aus, dass die Welpen in diesem Alter noch keine Schmerzen verspürten. Heute ist man mithilfe von Analysen schlauer und weiss, dass diese Schmerzen den Welpen nachhaltig (im negativen Sinne) prägen und die Schmerzen in diesem Alter viel stärker für den Welpen sind. Durch das Kupieren wird das Vertrauen des Welpen negativ beeinflusst, das sollte man sich neben der Schmerzen immer vor Augen führen.

Übrigens ist die Rute eine Verlängerung der Wirbelsäule, durch die Nervenbahnen und am Rutenansatz das Rückenmark verläuft. Wird hier also falsch kupiert und somit das Rückenmark geschädigt, bleibt der Hund gelähmt.

Nicht direkt verurteilen!

Rescue Dogs

Kupieren ist keineswegs gut für den Hund, trotzdem tendieren immer wieder Menschen dazu, vorzeitig zu verurteilen. Es gibt sie immer und überall – diese Menschen, die nicht nachdenken sondern direkt diskriminieren. Wir möchten mehr dafür sensibilisieren erst nachzudenken, zu hinterfragen und dann erst zu urteilen.

Immer häufiger nehmen Hundehalter Hunde aus dem Tierschutz auf, Hunde die beschlagnahmt wurden, Hunde die illegal aus dem Ausland eingeführt wurden oder Hunde die illegal kupiert wurden. Es kann immer sein, dass jemand einen bereits kupierten Hund bei sich aufnimmt. Ist er oder sie deshalb ein schlechter Mensch? Nein! Denn diese Person bietet dem Hund ein hoffentlich wunderbares neues Zuhause, in dem der Hund lernt geliebt zu werden. Was ist aber der erste Gedanke, wenn man einen solchen Hundehalter mit einem kupierten Hund auf der Strasse sieht? Schlimmsten Falls trägt er einen Bart und ist noch tattoowiert und dann ist das Klischee komplett erfüllt. Man verurteilt heutzutage viel zu schnell. Wir möchten euch sensibilisieren und ermutigen diese Halter nicht direkt zu verurteilen sondern zu fragen. Wer weiss, vielleicht steckt eine wunderbare Geschichte dahinter.

Und dann gibt es noch die Hunde, die zum Beispiel mit Stümmelschwänzchen geboren werden. Hunde mit Stümmelrute (der Fachbegriff ist Brachyurie) werden mit einer kurzen Rute geboren und die Rute wird nicht amputiert. Das kann von einer kürzeren Rute bis hin zu einer nicht vorhandenen Rute ausgeprägt sein. Ein klassisches Beispiel ist hier z.B. die Englische Bulldogge, die sehr häufig eine kürzere Rute oder eine kaum vorhandene Rute von Geburt an aufweist.

 

Stummelschwanz   

Unsere Meinung

Wer uns kennt weiss, dass wir grundsätzlich gegen jeglichen Eingriff beim Hund sind. Es ist bereits schwer für uns, wenn wir nur einen Gedanken daran verschwenden, dass Vito rein aus psychischer Sicht und seines Leidens kastriert werden müsste bzw. man bei ihm eingreifen müsste, geschweige denn, dass man eine intakte Rute und die Ohren abscheidet.

Rein optisch gesehen, sieht es natürlich bei gewissen Rassen cool aus (z.B. beim Dobermann) aber es wäre für uns trotzdem niemals Grund bei einem Tier einzugreifen. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, aber über die Gesundheit der Tiere nicht, somit ist unsere Meinung da sehr deutlich.
Da es in der Schweiz sowieso nicht erlaubt ist, ist es nicht mal der Rede wert. Würden wir jedoch in einem Land leben, wo es erlaubt wird, wäre es nur dann eine Option für uns, wenn es einen medizinischen Zweck erfüllen müsste.
Halt die Ohren steif und immer der Nase nach!

Teile diesen Blogbeitrag

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email