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HUNDEERZIEHUNG | Hund kommt nicht zur Ruhe – Warum Ruhe so gesund ist

Das Ruhebedürfnis unserer Hunde ist grösser, als die meisten Hundemenschen es einschätzen würden. Kommt ein Hund selbstständig nicht zur Ruhe, benötigt er die Hilfe des Menschen, der Ruhe anleitet.

Inhaltsverzeichnis

DAS WIRST DU LERNEN

Körperliche Auswirkungen von Stress

Gründe für Unruhe beim Hund

Hilfsmittel

Wie viel Ruhe benötigt ein Hund?

Ruhebedürfnis eines Hundes – Hund kommt nicht zur Ruhe

Das Ruhebedürfnis unserer Hunde ist grösser, als die meisten Hundemenschen es einschätzen würden. Ein Hund ist körperlich locker in der Lage, den Alltag mit uns Menschen zu führen. Biologisch betrachtet benötigt ein Hund deutlich mehr Ruhe, als der Mensch. Ein ausgewachsener und gesunder Hund benötigt etwa 16–20 Stunden Zeit zum Dösen und Schlafen. Welpen oder alte Hunde benötigen mehr als 16–20 Stunden Ruhe. Kommt ein Hund selbstständig nicht zur Ruhe, benötigt er die Hilfe des Menschen, der Ruhe anleitet. Einige Hunde hingegen suchen sich ihre Ruhe von allein. Das kann zum einen damit zusammenhängen, dass der Hund es von Beginn an gelernt hat, oder aber weil seine Persönlichkeit und der Charakter es so begünstigt. Die Gründe, weshalb dein Hund nicht zur Ruhe kommt, können unterschiedlich sein. Auch der Körperbau nimmt Einfluss auf die Stressresilienz. Mehr zum Körperbau und der Fähigkeit zur Selbstregulation erfährst du in der Begriffserklärung der ImpulskontrolleJe mehr der Mensch den Hund in seinen Alltag integriert, desto mehr besteht die Notwendigkeit Ruhe zu lehren und lernen.

Beschäftigungsdrang des Hundes

Das Phänomen der Überforderung tritt nach den überlasteten Kindern nun allmählich in der Hundewelt ein. Agility-Kurse, Mantrailing und diverse Workshops sollen den Hund auslasten. Zusätzlich begleitet der Hund uns zu Besuch, ins Restaurant und auf den Wochenmarkt. Wo bleibt hier die nötige Zeit abschalten zu können, um richtig zur Ruhe zu kommen?

Gut gemeinte Auslastung, schlecht umgesetzt

Unwissentlich können wir als Hundemensch unruhiges Verhalten unseres Hundes fördern. Übermässiger Sport oder unüberlegte Spiele, die auf Bewegung ohne Köpfchen setzen, fördern Unruhe und hindern den Hund daran zur Ruhe zu kommen. Stupide ablaufende Ballspiele ohne Konzept fördern unter anderem Ball-Junkies, die wie irre einem Ball hinterherhetzen.

Zu viel und zu wenig Bewegung können gleiche Unruhe-Erscheinungen bei deinem Hund zeigen. Kommt dein Hund nicht zur Ruhe, kann es zum einen an zu viel Bewegung oder zu wenig Bewegung liegen. Neben dem Bewegungsmangel beim Hund kann falsche Beschäftigung dazu führen, dass dein Hund überdreht. Ein gesundes Mass an Bewegung und Beschäftigung für deinen Hund zu finden, ist nicht immer leicht. Um deinem Hund Ruhe beibringen zu können und ihn gleichzeitig auszulasten, kannst du auf Übungen der Impulskontrolle oder Konzentrationsübungen zurückgreifen. Wir haben für dich bereits Impulskontrolle Trainings für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis zusammengestellt.

Woran du merkst, dass dein Hund situativ überdreht ist:

Ruhe und Stress – Was passiert im Hundekörper

Schlaf und Ruhe haben eine grossen Einfluss auf das Stresserleben unserer Hunde. Stress kann unterschieden werden zwischen Eustress, der normalen und gut zu überwältigenden Stress beschreibt und Distress. Ist der Stress schädlich und überfordert deinen Hund, nennt sich diese Art von Stress Distress.

Eustress kann zu gesteigerter Leistungsfähigkeit führen. Das bewirkt der Neurotransmitter Dopamin. Das Dopamin im Körper schafft ein Gefühl von Glück, kann aber auch süchtig machen, da es belohnungsversprechend ist. Im Jagdverhalten ist das sinnvoll, weil alle Tiere, die jagen, damit ihr Überleben sichern. Im Alltag mit Hund kann die extreme Ausschüttung von Dopamin nervöses und aufdringliches Verhalten fördern – Stichwort „Ball Junkies“. 

Bei Stress wird neben dem Stresshormon Adrenalin kurze Zeit später das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Das überschüssige Cortisol kann kurzzeitig aktivierend auf deinen Hund wirken, langfristig gesehen ist ein dauerhaft erhöhter Cortisol-Spiegel gesundheitlich gefährlich. Nach stressigen Situationen benötigt dein Hund viel Ruhezeit, um den Stresshormon Cocktail in seinem Körper verarbeiten zu können. Es kann sogar mehrere Tage (ca. 48 Stunden) dauern, bis der Cortisol-Pegel sich reguliert. Setzt du deinen Hund mehrfach hintereinander Situationen aus, die zu Distress führen, erhält dein Hund keine Gelegenheit seinen Stresspegel zu regulieren.

Stresshormon Cortisol

Cortisol ist ein Stresshormon, das während stressigen Situationen im Körper vermehrt auftritt. Kurzzeitig kann es dem Hund helfen, den Körper vor Belastungen zu schützen. Bei regelmässig hohem Cortison-Spiegel jedoch, wirkt sich Cortisol negativ auf die Psyche und den Gesundheitszustand deines Hundes aus.

Gleiches gilt für Hunde, die neben Stresssituationen übermässig in Bewegung sind. Übermässig meint nicht vereinzelte Tageswanderungen oder 1–2 Mal die Woche Aktivität auf dem Hundesportplatz – übermässig bedeutet, dass regelmässig 80–90 % des Tages nicht aus Ruhe, sondern aus Aktivität bestehen. Hunde, die zu viel Bewegung und Aktivität ausgesetzt sind und zu wenig Ruhephasen erhalten, haben ein Schlafdefizit. Kommt der Hund nicht zur Ruhe, kann er das überschüssige Cortisol nicht abbauen. Schlaf und Ruhe sind notwendig für den generellen Stressabbau, weil während des Schlafs das Stresshormon Cortisol abgebaut wird. Im Schlaf finden zudem weitere Prozesse im Hormonhaushalt statt mit positiver Wirkung auf den Stoffwechsel, das Immunsystem oder das Wachstum.

Aktivität und Entspannung

4 Stunden Spaziergang und 20 Stunden Zuhause können für deinen Hund ebenfalls schon zu viel Aktivität sein. Territorial unsichere Hunde wenden enorm viel Energie während eines Spaziergangs auf. Die Regenerationszeit eines unsicheren Hundes ist höher als die eines Umwelt-sicheren Hundes. Zudem bedeuten 20 Stunden Zuhause nicht gleichzeitig Ruhe und Entspannung. Du musst deinem Hund Ruhe beibringen, wenn er nicht von allein zur Ruhe kommt.

Gerne schwirrt der Gedanke in den Köpfen der Hundemenschen, dass ein ausgelasteter Hund besser hört. Dass Auslastung und Beschäftigung mit deinem Hund notwendig ist und Langeweile so manches Problemverhalten bei Hund weckt, ist nachvollziehbar. Der Beschäftigungsgrund sollte jedoch kein Auspowern sein, sondern ein gesundes Mass an Reizen, Eindrücken, Bewegung und Ruhemöglichkeiten. Ein erhöhter Cortisolspiegel weckt beim Hund den Drang nach Bewegung, um das überschüssige Cortisol mithilfe von Aktivität zu verstoffwechseln. Es entsteht ein Teufelskreis: Aus einem gestressten Hund wird ein hyperaktiver Hund, der gestresst ist. Ruhe- und Schlafmangel führt zu Nervosität, Konzentrationsmangel und Anspannung. Als Hundemensch weckt das Verhalten des Hundes die Vermutung, der Hund benötige mehr Bewegung. Falsch! Was ein solcher Hund benötigt, ist Ruhe! 

Schlafmangel ist nicht nur eine Folge von Stress, sondern zugleich der Ursprung von weiteren gesundheitliche Beschwerden und Problemverhalten. Als Hundemensch ist es deine Aufgabe, deinem Hund Ruhe beizubringen, falls dein Hund nicht zur Ruhe kommt. Das hilft nicht nur im allgemeinen Verhalten und der Gesundheit, sondern fördert die Verarbeitung von Trainings, Übungen und Erlebnissen.

Gründe für Unruhe beim Hund

Gehen wir davon aus, dass die Bedürfnisse deines Hundes gestillt sind, können andere Faktoren der Grund dafür sein, dass der Hund nicht zur Ruhe kommt. Dass Schlafmangel und Hunger zur Unruhe führen, sollte nachvollziehbar sein. Ein Hungergefühl kann Nervosität hervorrufen sowie die Impulskontrolle mindern. Wie Nervennahrung einen positiven Einfluss nehmen kann, haben wir bereits im Beitrag zur Impulskontrolle erwähnt. Bei ausreichender Ernährung deines Hundes und wenn dieser trotzdem zu starken Hungergefühl tendiert, kann in Absprache mit deinem Tierarzt oder deiner Tierärztin Futterzellulose ins Futter gemischt werden, um ein längeres Sättigungsgefühl aufrecht zu halten. Kohlenhydrate können ebenfalls Ruhe begünstigen. Du kannst deinem Hund Ruhe beibringen, jedoch spielen weitere Rahmenbedingungen eine Rolle bei deinem Hund. Dazu gehören Erbanlagen und gesundheitliche Gründe.

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Veranlagung & ungünstige Entwicklung

Die genetische Disposition nimmt Einfluss auf den Charakter und das Verhalten. So kann eine unruhige Hündin zum einen genetisch diese Disposition weitergeben und zum anderen in ihrem Verhalten den Welpen unruhiges Verhalten demonstrieren. Erhalten Welpen und Junghunde ausserdem eine schlechte oder unzureichende Sozialisierung, kann das sich negativ auf das allgemeine Stressempfinden auswirken. Doe Kombination aus Anlage und Umwelt spielt vordergründig in der Aufzucht und weiteren Welpenzeit eine wichtige Rolle. 

Rasse

Neben dem Ruhebedürfnis unserer Hunde ist das Aktivitätslevel von der Rasse und dem Charakter abhändig. Es ist keine Kunst, einen High-Energy Hund, wie z.B. Husky, Terrier, Malinois, Border Collie, American Pitbull Terrier etc. innerhalb von einer Millisekunde zu aktivieren. Diese Hunde sind wie ein Sportwagen direkt von 0 auf 100. High-Energy Rassen sind Hunde, die aufgrund von Zuchtursprung zu hoher Aktivität gezüchtet wurden. Bei der Hundeerziehung sollte bei High-Energy Hunden vor allem an der Impulskontrolle und der Frustrationstoleranz gearbeitet werden. Diese beiden Kernkompetenzen sind für alle Hunde hilfreich und für energiegeladene Rassen unabdingbar.

Fehlende Frustrationstoleranz & Impulskontrolle

Im Alltag wird von unseren Hunden viel Impulskontrolle abverlangt. Was die Impulskontrolle deines Hundes beeinflusst, wie du diese positiv beeinflussen kannst, erfährst du im Blog Impulskontrolle. Ausserdem zeigen wir dir mit jeweils 3 Trainings, wie du die Impulskontrolle beim Anfänger, Fortgeschrittenen und Profi üben kannst. 

Bei Stress schüttet der Körper unter anderem das Stresshormon Cortisol aus. Ein zu hoher Cortisolspiegels verhindert, dass dein Hund Impulsen widerstehen kann. Kommt dein Hund nicht zur Ruhe, ist er unkonzentrierter und zeigt weniger Selbstbeherrschung. Je besser dein Hund Impulsen widerstehen kann und Frust aushält, desto besser kommt dein Hund zur Ruhe.

Nicht gelernte Ruhe

Kommt dein Hund nicht zur Ruhe, kann das daran liegen, dass dein Hund Ruhe nicht gelernt hat. Eine fehlende Sozialisation oder mangelnde Erfahrungen im Welpenalter und der Jundhundezeit können ein Grund für Unruhe sein. Ruhe kann gelernt werden, wenn biologische und gesundheitliche Gründe ausgeschlossen werden können. Wir zeigen dir Ruheübungen für innen und aussen. Ruhe langfristig in den Hundealltag zu integrieren ist mehr als nur etwas Training. Baue Ruheübungen regelmässig in deinen Alltag mit Hund ein und lasse sie zur Normalität werden. Ruhe ist kein Training, dass mit Leckerli geübt wird, sondern ein Lernprozess, der Anspannung zur Entspannung führt. Deinem Hund Ruhe beizubringen, bedeutet Grenzen zu setzen und Sicherheiten zu bieten. Ruheübungen können unterstützt werden von Bewegungen, die bei deinem Hund Konzentration und eine ausgeglichene Ausführung verlangen anstatt die Bewegungsausdauer. Damit dein Hund seinem Bewegungsdrang nachgehen kann, kannst du folgende Bewegungen mit deinem Hund durchführen:

  • Stangensalat oder Mikado, über die dein Hund langsam und konzentriert steigen soll
  • Leitern oder Lattenroste zum Herübersteigen 
  • Schnüffeln
  • Schwimmen ohne Anreiz von Gegenständen

Hintergrundstressoren

Hintergundstressoren sind alltägliche Situationen, die zu Stress beim Hund führen. Das kann die generelle Unruhe bei einer grossen Familie sein, ein Mehrhundehaushalt oder Situationen auf eurer Spaziergangrunde. Hintergrundstressoren halten das Stresslevel deines Hundes dauerhaft hoch und verhindern Ruhe und Entspannung. 

Lautstärke, das Wetter, Schmerzen sind Hintergrundstressoren. Aber auch Krankheit, Distanzlosigkeit von Kind und Mensch sind ein Stressproblem. Eine Futterumstellung ist ebenfalls ein Hintergrundstressor. Es ist also alles im Alltag, das beim Hund ein Unwohlsein über längere Zeit auslösen kann. 

Stimmungsübertragung

Für die sogenannte Stimmungsübertragung sind Spiegeleneuronen zuständig. Die Forschung der Spiegelneuronen begann mit dem italienischen Forscher Giacomo Rizzolatti und seinem Team 1992 an Makaken Äffchen und steht heute noch recht am Anfang. Spiegelneuronen gewährleisten, dass aufgrund von Beobachtung Handlungstendenzen entstehen. Das ist vordergründig in Gruppen oder bei Herden überlebenswichtig und somit sehr sinnvoll. Entdeckt ein Herdentier einen Feind, rennt es los und die anderen werden ihm folgen. Dem Feind wird die Wahl und die Jagd erschwert und das Überleben der Herdenmitglieder gesichert. Spiegelneuronen und die Stimmungsübertragung sind für unser Überleben existenziell. 

Spiegelneuronen sind nicht nur für Handlungsschemata zuständig, sondern wie der Name “Stimmungsübertragung” vermuten lässt, auch auf die Stimmung und Emotionen. 

Stimmungsübertragung ist innerartlich, also z. B. zwischen Hund und Hund und zwischenartlich bei z. B. Mensch und Hund möglich. Bist du gestresst und unruhig, dann überträgst du diese Stimmung unbewusst auf deinen Hund. Dein Hund nimmt deine Unruhe durch unterschiedliche Signale wahr: Deine Körperhaltung, deine Stimme, chemisch über deinen Schweiss oder auch über dein Handeln. Kommt dein Hund nicht zur Ruhe, kann die Unruhe womöglich an deiner aktuellen Gefühlslage liegen. 

Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit grossem Einfluss auf Tier und Mensch. Die Schilddrüse produziert Hormone, die viele Vorgänge im Körper regulieren und sowohl Einfluss auf den Stoffwechsel nehmen, wie auch auf die Nervenzellen und die Gehirnaktivität. Beim Menschen wissen wir, dass die Schilddrüse erhebliche Auswirkung auf die körperliche und psychische Gesundheit hat. Bei einer Schliddrüsenunterfunktion werden vermehrt die beiden Hormone Thyroxin und Trijodthyronin produziert. Folgen einer Schilddrüsenüberfunktion sind unter anderem Unruhe und Nervosität. Bei einer Blutentnahme kann festgestellt werden, ob eine Schilddrüsenüberfuntion bei deinem Hund besteht und welche Massnahmen getroffen werden können.

Hyperaktivität

Bei Hyperaktivität handelt es sich um eine Diagnose, die einen Hund beschreibt, auf den mehrere Symptome von unangebrachter Reiz- und Auslöserempfindlichkeit zutreffen. Im Gegensatz zum Menschen, gibt es beim Hund noch keinen eineindeutigen Diagnosebogen. Im Vergleich zu Hunden der gleichen Rasse und Altersgruppe kann auf einige Symptome geachtet werden, die auf eine Hyperaktivität schliessen lassen. Solltest du Verdacht haben, bei deinem Hund könnte das zutreffen, solltest du einen Hundeverhaltenstherapeuten / eine Hundeverhaltenstherapeutin aufsuchen.

  • hemmungsloses Verhalten gegenüber Personen
    • winseln, anstupsen, bellen, Gegenstände zerstören, wildes Begrüssen, Menschen anspringen, aufgeregtes “Schreien”, usw.
  • Reizempfindlichkeit
    • starke Reaktion bereits bei kleinsten Geräuschen, Unruhe Zuhause, unruhiges “Stalking” im Tür- und Fensterbereich, Reaktion auf entgegenkommende Menschen, intensive Wahrnehmung von Naturgeräuschen wie fallende Blätter, usw.
  • Ausdauerbewegungen
    • Drang nach ständiger Bewegung, Unfähigkeit eigenständig zur Ruhe zu kommen, usw.
  • Konzentrationsschwierigkeiten
    • Schwierigkeiten Neues zu lernen, schnelle Überforderung, kurzweilige Konzentrationsspanne, usw.
  • Fehlende Impulskontrolle auf emotionaler Ebene
    • starke Emotionen wie Freude, Spiel-Lust, aber auch Angst oder Wut werden besonders intensiv erlebt
  • Fehlende Frustrationstoleranz 
    • frustrierende Situationen lösen Übersprungshandlungen aus wie in die Leine beissen, den Menschen beissen, bellen, fiepen, regelrechtes “durchdrehen

Hilfsmittel bei fehlender Ruhe - Hund kommt nicht zur Ruhe

Ruhe kann zusätzlich zu Übungen von unterschiedlichen Hilfsmitteln unterstützt werden. Wichtig ist zu erwähnen, dass Hilfsmittel fördern, jedoch ohne Training keine effektive Ruhe bewirken. Die Hilfsmittel wirken dabei auf unterschiedlichen Ebenen. Die Wirksamkeit ist bei jedem Hund anders und muss für dich und deinen Hund individuell getestet werden.

Musiktherapie ist in einigen Bereichen beim Menschen sehr verbreitet. Musik kann Entspannung von Hunden fördern. Ergebnisse von Lindig et al. (2020) weisen darauf hin, dass Tiere (nicht nur Hunde) bei klassischer Musik weniger gestresst oder ängstlich wirken. Bislang gibt es noch wenig Forschung, die Musik und Entspannung im Zusammenhang mit Tieren aufarbeiten. Musik kann Hilfe von Unruhe in der häuslichen Umgebung bieten. In den meisten Untersuchungen wurde die Ruhezeit und die Dauer des Bellens bewertet und als Indikatoren für Stress gemessen. Gemessen am Cortisol-Spiegel und der Herzfrequenz konnte klassische Musik Ruhe bewirken. 

Neben dem Genre kann eine Konditionierung und die Assoziation mit Erfahrungen und der Musik eine ebenfalls gute Wirkung zeigen. Liegt dein Hund immer entspannt neben dir, während du deine Lieblingsmusik hörst, kann die positive Erfahrung deinen Hund zur Ruhe führen.

CBD kann vielseitig bei Hund und Mensch eingesetzt werden. Hunde verfügen ein eigenes Endocannabinoid-System, weshalb für sie CBD ebenfalls unterstützend sein kann. CBD ist ein Wirkstoff der Hanfpflanze, welcher aus der weiblichen Pflanze gewonnen wird. Leider gibt es nicht viele belegbare Hinweise, dass CBD beim Hund die gleichen positiven Eigenschaften hat wie beim Menschen. Man geht jedoch davon aus, dass CBD beim Hund ebenfalls entzündungshemmend und entspannend wirkt. 

Hast du vor, deinem Hund CBD zu verabreichen, achte auf die Qualität und den biologischen Anbau. Für Hunde gibt es spezielle CBD Hersteller. Die Dosierung sollte langsam gesteigert werden. Am besten lässt du dich von einer Fachperson beraten.

Kamille, Lavendel und Baldrian wird lange eine beruhigende Wirkung nachgesagt – bei Hund und Mensch. Die Kräuter können dem Hund über das Futter gegeben werden, um innerlich zu wirken oder als ätherisches Öl über einen Diffusor. Die Kräuter sollten während einer ruhigen Phase begonnen werden zu geben. Nutze dafür ausschliesslich hochwertige und schonend zubereitete Kräuter und ätherische Öle.

Beim RelaxoPet handelt es sich um ein Gerät, das speziell abgestimmte Töne für Hund, Katze oder Pferd, je nach Gerät, von sich gibt. Wir konnten keine Belege oder Studien finden, die die Wirksamkeit des RelaxoPet bestätigen. Einige Hundemenschen konnte bereits gute Erfahrungen sammeln, andere bemerkten keinen Unterschied. Denken wir jedoch an die konditionierte Entspannung, kannst du mit dem RelaxoPet die Entspannung konditionieren, ohne dass sie den Menschen stört, weil die Töne für den Menschen kaum wahrnehmbar sind. Baut man den RelaxoPet zu Hause in einer ruhigen Umgebung als Enstpannungston auf, während der Hund sich entspannt, kann der RelaxoPet nach einiger Zeit bereits auch in stressigen Situationen genutzt werden (z. B. beim Autofahren), ohne dass es dich stört.

Zylkène und Adaptil können als natürliche Mittel als Unterstützung für die Förderung von Entspannung dienen. Beide Hilfsmittel fördern Ruhe bei zeitlich begrenzten, vorübergehenden stressigen Situationen.  

Zylkène wird aus Magermilch gewonnen. Die beruhigende Wirkung ist auf α-Casozepin zurückzuführen, das bei Welpen im Darm entsteht, während sie Muttermilch verdauen. Das α-Casozepin verstärkt die wiederum die Wirkung des Neurotransmitters GABA (Gamma-Amino-Buttersäure). GABA ist zuständig für alle Funktionen, die mit Emotionen zu tun haben, somit auch Stress. Erwachsene Hunde bilden kein α-Casozepin mehr, die Wirkung bleibt jedoch erhalten. Zylkène schafft also beim ausgewachsenen Hund das bekannte wohlige Gefühl und unterstützt den Hund dabei, ruhiger auf stressige Situationen reagieren zu können. 

Adaptil ist mittlerweile in unterschiedlichen Produktformen verfügbar: Als Halsband, als Tabletten, als Zerstäuber für die Steckdose oder als Spray. Adaptil wirkt in Form von Pheromonen. Pheromone sind Botenstoffe, die Hunden untereinander helfen, Informationen über den jeweils anderen zu erhalten. Eine Mutterhündin setzt über ihr Gesäuge Pheromone aus, die den Welpen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln soll. Adaptil sendet eben diese Pheromone in die Umgebung deines Hundes und vermittelt ihm Sicherheit. Das Gefühl von Sicherheit schafft wiederum Entspannung.

Ist die Unruhe bei deinem Hund auf Angst zurückzuführen, kann ein Thundershirt weiterhelfen. Thundershirts sind eng anliegende T-Shirts für deinen Hund, die gleichmässige Kompression auf den Körper einwirken, sodass es beruhigend wirken soll. Das ist verwandt zum Pucken bei Babys. Die Kompression soll eine enge Berührung nachahmen, die Geborgenheit vermittelt. Das Tellington TTouch Körperband ist im Gegensatz zum T-Shirt variabler einsetzbar, bedarf aber mehr Übung beim “Binden”. Wir empfehlen bei beiden Hilfsmitteln diese bereits mehrfach vorher anzuwenden, bevor sie in wichtigen Situationen angewandt werden. Ob und wie beruhigend beides auf deinen Hund wirkt, wirst du selbst herausfinden, indem du deinen Hund beobachtest. Hunde, die Geschirre oder andere Kleidung als störend empfinden, werden wahrscheinlich sowohl das Thundershirt wie auch die Körperbänder als unangenehm wahrnehmen. Die beruhigende Wirkung ist somit individuell vom Hund abhängig.

Stress- und Ruhezeichen beim Hund kostenlos zum Download

Fazit Ruhe beim Hund

Vito und Amalia schlafen mit Lui auf dem Sofa und machen Kontaktliegen

Ruhe und Entspannung ist für unsere Hunde gesundheitlich notwendig. Unruhe kann auf mehrere Gründe zurückgeführt werden. Kommt dein Hund nicht zur Ruhe, kann das auf die Gesundheit, die Genetik, wie auch auf die Erziehung und das Training zurückgeführt werden.  Du kannst deinem Hund Ruhe beibringen und Entspannung durch Hilfsmittel fördern. Wie du Ruheübungen aktiv üben kannst, zeigen wir dir bei den Ruheübungen für zu Hause und den Ruheübungen für draussen. .

Quellen:

Löckenhoff, U. (2017). Dogwalk: Wie Hunde freudig folgen. Kosmos.

Mrozinski, N., Heberer, U. & Brede, N. (2017). Aggressionsverhalten beim Hund. Kosmos.

Lindig, A. M., McGreevy, P. D. & Crean, A. J. (2020). Musical Dogs: A Review of the Influence of Auditory Enrichment on Canine Health and Behavior. Animals, 10(1), 127. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7022433/

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Wir sind Lui & Paulina und Hunde haben uns schon seit unserer Kindheit fasziniert. Nach unserem ersten Studium in Sport und Psychologie, haben wir uns entschieden unsere Leidenschaft zum Beruf zu machen und so ist gemeinsam mit unseren Hunden Vito & Amalia, Vitomalia entstanden. Das Studium der Hundeverhaltenstherapie und den Hundewissenschaften bilden den Grundstein unserer Expertise. Unser gesamtes Hundewissen und mehr als zwei Jahrzehnte an Erfahrung haben wir in unserer Online Hundeschule für unsere Community zusammen gestellt!

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Die Welpenvorbereitung Online Handelsschule Vitomalia

Die Welpen-Vorbereitung

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Welpe bleibt vor Person im Sitz

Die Welpen- Erziehung

In unserer Welpenerziehung geht es in erster Linie um den Beziehungsaufbau zwischen dir und deinem Welpen. Eine Beziehung entsteht durch eine konsequente und liebevolle Erziehung. Wir zeigen dir, wie du die Stubenreinheit erreichst, eine Beisshemmung aufbaust, Regeln etablierst und Basics wie die Leinenführigkeit übst. 

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