7 Tipps zur Zusammenführung von Hund und Katze | Hund und Katze aneinander gewöhnen

Vorgeschichte

Wir haben aktuell eine kleine Findlingskatze bei uns, die bei uns auf dem Freizeit Grundstück war. Nachdem wir den Tierschutz, das örtliche Tierheim sowie die Polizei informierten, wurde nach drei Wochen klar: die Kleine vermisst keiner. Wir haben sie vorerst bei uns aufgenommen.

Hund und Katze aneinander gewöhnen

Wer kennt schon nicht den Spruch: “Die zwei sind wie Hund und Katz'”? Es bedeutet gegensätzlich zu sein oder zerstritten. Hund und Katze sind von Grund auf verschiedene Tiere wie wir später noch mal näher erklären werden. Bedeutet das, dass man die zwei haarigen Vierbeiner nicht aneinander gewöhnen kann?

Eines schon mal vorweg: doch Hund und Katze kann man aneinander gewöhnen! Viele unter euch haben uns bereits die liebevollen Bilder von ihren Hunden gemeinsam mit den Katzen zugesendet. Damit das auch so harmonisch funktioniert, braucht es am Anfang vor allem einige wichtige Tipps, die man befolgen sollte.

Ausgangssituation

Die Ausgangssituation bestimmt natürlich die Art und Weise, wie genau du vorgehen solltest bei der Zusammenführung von Hund und Katze. Es kann sein, dann die Katze schon im Haushalt lebt und später ein Hund dazu kommt oder andersherum. Das kann für die Anfangszeit für beide Tiere sehr stressig sein. Der natürliche Instinkt bei Tieren ist darauf ausgerichtet, das eigene Revier zu verteidigen und da kommt ein Fremder natürlich überhaupt nicht gut an.

Man muss also beide Tiere langsam aneinander gewöhnen und nicht mir der Tür ins Haus fallen. Denk immer dran, dass Überforderung Stress und gleichzeitig Rückzug bedeuten kann oder eben Aggression (fight vs. flight). Die Kampf-oder-Flucht-Reaktion (engl. fight-or-flight response) ist eine körperliche Reaktion, die als Reaktion auf ein wahrgenommenes gefährliches Ereignis, einen Angriff oder eine Bedrohung auftritt. Beide Reaktionen sind wenig förderlich und sollten deshalb möglichst nicht ausgelöst werden.

 

Evolution

Hund und Katze sind beides tolle Tiere, die ihre Vorteile haben. Den Hund kann man überall hin mit schleppen und die Katze ist sehr eigenständig und kann auch mal länger alleine zurecht kommen (es ist nicht ideal, aber durchaus möglich).

Rein evolutionär betrachtet sind die zwei aber ganz schön weit auseinander. Hund und Katze sind nicht nur in ihrem Aussehen total verschieden, sondern auch in ihren Bedürfnissen. Der Hund hat von Natur aus einen angeborenen Jagdinstinkt und könnte eine Katze jagen wollen. Die Katze fühlt sich wiederum schnell bedroht und flieht reflexartig. Aber warum sind die zwei so unterschiedlich?

Hund gehören zu den „Canoidea“ also zu den „Hundeartigen“. Zu diesen gehören auch Bären und Walrosse. Katzen gehören zu den „Feloidea“ also zu den „Katzenartigen“, wie z.B. auch die Hyänen. Ein Hund und ein Walross haben also evolutionär bedingt mehr gemeinsam, als Hund und Katze 😉

Hunde und Menschen schliessen schon seit mehr als 100‘000 Jahren eine Gemeinschaft, bei Katzen kam es recht spät erst dazu und so entstand die gemeinsame Geschichte von Katze und Mensch vor mehr als 9‘000 Jahren.

 

Körpersprache von Hund und Katze

Bevor wir zu den Tipps für eine ideale Zusammenführung von Hund und Katze kommen, gehen wir noch ein mal grob auf die Körpersprache und somit die Kommunikation von Hund und Katze ein. Evolutionär betrachtet sind Hund und Katze also mehr auseinander als Hund und Walross – das haben wir schon bereits geklärt. Das wirkt sich dementsprechend auch auf die Körpersprache aus. Die Körpersprache ist sehr gegensätzlich und das kann beim jeweils anderen Tier zur Verwirrung beitragen. Wenn ein Hund beispielsweise mit der Rute wedelt, dann bedeutet es Aufregung. Meist aber auch Freude. Fängt eine Katze aber heftig an mit dem Schwanz zu peitschen, dann ist das Aggression. Bei der Mimik ist das sehr ähnlich. Hunde sind Rudeltiere und alle Tiere, die in grossen Gemeinschaften zusammen leben, brauchen auch eine ab feinere Kommunikation. Während Hunde und Wölfe sehr genau in ihrer Mimik sind, tut sich da bei einer Katze nicht so viel. Die Katze hingegen kommuniziert verstärkt mit den Augen oder eben ihrem Körper. Die Katze lebt zwar auch gerne in Gemeinschaft (und sollte nicht alleine gehalten werden), ist aber ein Einzeljäger und muss sich deshalb nicht so fein mit anderen Katzen abstimmen.

 

Vorbereitung

1. Tipp: Grundgehorsam & Hausordnung

Hunde lernen schneller Neues und lassen sich auch besser erziehen als Katzen. Deshalb solltest dein Hund die Grundkommandos (Sitz / Platz / Bleib / Fuss / Aus) sehr gut beherrschen. Das macht eine Zusammenführung von Hund und Katze viel leichter.

Wir zum Beispiel haben eine “Hausordnung“, das heisst, dass wenn wir unsere Hunde auf ihren Platz schicken, sie so lange da bleiben, bis wir sie wieder rufen. Auch das ständige folgen und hinterher Laufen in der Wohnung erlauben wir nicht. Generell wird Zuhause eine ruhige Haltung angenommen und es werden auch keine wilden Spiele begonnen, das dürfen unsere Hunde draussen. Die Hausordnung, also eine klare Struktur hilft Hunden, sich einzugliedern und sie wissen genau, wie sie sich verhalten können. Dieser Rahmen bietet ihnen Geborgenheit.

Bei besonders wilden Hunden oder auch allen möglichen Jagdhunden und Terriern ist es ratsam, den Hund erst anzuleinen, wenn man nicht weiss, wie er reagieren wird.

 

2. Tipp: Geduld als Schlüssel zum Erfolg

Weil beide Tiere so verschieden sind, müssen wir als Halter vor allem die Rahmenbedingungen für eine gelungene Zusammenführung von Hund und Katze gewährleisten. Das gelingt nur mit viel Geduld und Entschleunigung!

Sowohl Hund als auch Katze sind sehr intelligente Tiere und können durchaus lernen, dass die Kommunikation des jeweils anderen verschieden ist, Dafür müssen sie aber erstmal die Gelegenheit haben, sich in Ruhe die Körpersprache des anderen zu beobachten und diese deuten zu lernen. Das ist nur dann möglich, wenn nicht wild umher gerannt wird und die Katze auch genug Ausweichmöglichkeiten hat und gleichzeitig der Hund nicht in einen Jagdtrieb gerät und er Katze hinterher jagt.

Es gilt also wie immer: Geduld – Erfolg belohnen – Misserfolg verhindern. Dafür bist du als Halter verantwortlich!!! Du musst also Raum schaffen für positive Erfolge. Überstürzt du direkt zu Beginn etwas, ist ein harmonisches Zusammenleben kaum noch möglich. Und denk immer dran: beide Tiere müssen eine “Fremdsprache” lernen. Keiner lernt eine Fremdsprache von heute auf morgen, dafür braucht es Zeit und viel Übung.

Achtung! Es kann immer mal passieren, dass etwas im Training nicht ideal läuft. Ganz wichtig hier: ein Training sollte immer positiv beendet werden. Wenn also die Katze beginnt zu fauchen, dann versuche so lange weiter zu üben, bis sich die Lage entschärft. Denn so wie ein Training beendet wird, so wird es auch langfristig im Gehirn von Hund und Katze abgespeichert.

 

3. Tipp: Impulskontrolle

Eine gut aufgebaute Impulskontrolle, die man immer wieder üben muss (dazu gibt es schon ein Video und Blog Post), hilft zudem deinen Hund neben der Grundgehorsam zu steuern. Bei einem Welpen ist das nicht in diesem Ausmass möglich, weshalb du zunächst an den Grundkommandos und der Impulskontrolle arbeiten solltest. Eine rennende Katze löst nun mal einen Impuls aus, und den musst du und dein Hund lernen zu kontrollieren.

Hund und Katze aneinander gewöhnen

4. Tipp: Sozialisation

Je besser ein Hund zusätzlich sozialisiert wurde und je mehr Tiere er in seiner Welpenzeit kennengelernt hat, desto leichter wird es für dich sein, die Zusammenführung von Hund und Katze zu gestalten. In unserer Welpenerziehung gehen wir auf die Sozialisation separat und intensiver ein. Die Sozialisation hilft nicht nur bei der Zusammenführung von Hund und Katze, sondern auch in allen anderen Situationen.

 

Praxis

5. Tipp: Schnüffelkurs

Gerade der fremde Geruch bringt am Anfang bei der Zusammenführung von Hund und Katze (vor allem bei wilden Hunden oder Terriern) immer viel Gewusel ins Spiel. Damit Hund und Katze bei der Zusammenführung nicht erschrecken und unkontrolliert handeln, macht es Sinn, die Tiere die ersten Tage separat in Zimmern zu halten und immer wieder die Gerüche von Katze zu Hund zu tragen und andersherum. Hund und Katze müssen erstmal den fremden Geruch kennenlernen, ohne dabei impulsiv zu reagieren.

Wir haben die Hunde zunächst einmal in ein anderes Zimmer gebracht und der Katze ermöglicht, die neue Umgebung kennenzulernen. Dadurch, dass es ein Findlingskätzchen ist, haben wir eine Tragetasche für die Katze gekauft und sie in der Tragetasche in unser Wohnzimmer gebracht, damit sie sich immer wieder in die Tragetasche zurück gehen konnte. In der Tragetasche hatten wir Katzenminze in einem Kissen für ein besseres Wohlbefinden gelegt. Später haben wir die Katze wieder in die Tragetasche gebracht und diese über dem Blickfeld der Hunde gestellt. Ganz wichtig: Stellt die Katze in der Tragetasche nicht ins Blickfeld der Hunde. Die Katze kann in der Tragetasche nicht flüchten, fühlt sich total eingeengt und bedroht und das führt nur zu unnötigem Stress. Die Katze kann dann aus sicherer Höhe die Hunde, deren Bewegung und deren Geruch wahrnehmen und die Hunde können den Geruch wahrnehmen, ohne aber wuselig und aufgedreht zu werden.

Diesen Schritt machst du die ersten Tage, ohne dass Hund und Katze tatsächlich Kontakt zueinander haben. Plane gezielte Schnüffelkurse und versuche die Stimmung gelassen zu halten. Wir haben zudem immer nur einen Hund schnüffeln lassen, damit die Hunde sich nicht gegenseitig pushen.

Bei Hunden mit schlechterem Gehorsam kannst du den Hund auch erstmal anleinen. Auch wenn die Katze in der Tragetasche ist, sollte der Hund nicht wild auf sie zugehen und dann kannst du mit einer guten Grundgehorsam oder eben der Leine kontrollieren.

 

6. Tipp: Live Zusammenführung

Hund und Katze aneinander gewöhnenDie tatsächliche live Zusammenführung von Hund und Katze sollte aufgrund der bereits bekannten Gerüche dann nicht mehr so nervös ablaufen. Trotzdem empfehlen wir dir, dass mindestens zwei Personen dabei sind, damit einer auf die Katze und einer auf den Hund achten kann. Man kann den Hund auch anleinen oder einen Maulkorb aufsetzen, um sicher zu gehen. Wir haben es bewusst mit jedem Hund getrennt geübt und auch mit Vito gestartet, weil es in seiner Art viel ruhiger ist. Ganz wichtig ist es, dass sobald der Hund oder die Katze richtig reagieren, also ausgeglichen sind, dass beide Tiere gestreichelt und bestärkt werden. Nur so verstehen sie, was du wirklich vom ihnen möchtest.

Wir haben mit Vito z.B. aktiv den Blickkontakt geübt. Die Katze hat Leckerlis auf dem Boden bekommen, so dass sie nah an Vito ran kam und jedes Mal, wenn Vito die Katze ignoriert hat und uns den Blick zuwandte, erhielt er ein Leckerli. Diese Zusammenführungen kann je nach Tieren kürzer oder länger dauern. Übe sie lieber mehrfach, damit ein wirklich gutes und ausgeglichenes Gefühl zwischen Hund und Katze entsteht.

 

7. Tipp: Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Egal wie gut die Zusammenführung von Hund und Katze läuft, du darfst niemals vergessen, dass beide Tiere von Grund auf unterschiedlich sind. Sei niemals überschwänglich oder unterschätz nicht die Gefahr. Wir haben erst nach einer Woche gemeinsamen Trainings (also nach insgesamt der zweiter Woche, die die Katze bei uns war) den Maulkorb bei Amalia abgenommen, als wir merkten, dass die Katze cool ist und die Hunde auch. In der zweiten Woche haben wir dann intensiv mit beiden Hunden und jeweils separat die Zusammenführung geübt. In der dritten Woche dann, konnten alle drei gemeinsam nebeneinander liegen. Trotzdem lassen wir sie nicht aus den Augen und lassen die Katze und die Hunde nicht alleine. Verlassen wir das Haus, so werden Hunde und Katze getrennt.

Und manchmal kann es auch nach Wochen intensivem Training dazu kommen, dass Hund und Katze sich akzeptieren, aber eben nicht lieben – auch Tiere haben unterschiedliche Charaktere und müssen nicht jeden mögen.

 

Einige wichtige Regeln für das gelungene Zusammenleben

  • Beim Fressen darf keiner gestört werden
  • Hund und Katze dürfen nicht an den jeweils anderen Futternapf
  • Das Katzenklo muss für den Hund tabu sein und nicht leicht zugänglich

 

Halt die Ohren Steif und immer der Nase nach!

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