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Darf mein Vermieter meinen (Listen)Hund verbieten? Wir fragen Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil

Nur wenige Hundehalter haben das Glück sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Und so leben viele Halter mit ihren Hunden in Mietwohnungen. Tatsächlich leben fast in jedem dritten Haushalt in Deutschland Tiere. Wir haben Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil interviewt, der uns Fragen rund um das Thema Hund und Mietwohnung beantwortet und auf Spezifika bei Listenhunden eingeht. Der Mietvertrag stellt die Grundlage des Mietverhältnisses dar und wir werden die wichtigsten Fragen gemeinsam beantworten.

Darf ein Vermieter einen Hund verbieten?

Die Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs ist in Deutschland ganz klar. Ein Vermieter darf die Hundehaltung nur dann verbieten, wenn der Vermieter ein berechtigtes Interesse besitzt die Haltung des Hundes zu verbieten. Generell bedeutet das, dass die Hundehaltung erlaubt ist und ein absolutes Verbot unwirksam ist. Berechtigtes Interesse ist beispielsweise eine belegbare Angst oder eine Allergie (die in diesem Fall gut nachzuweisen ist). Nur in einem solchen Fall darf der Vermieter die Hundehaltung verbieten.

Tatsächlich ist es auch möglich, dass ein Vermieter Listenhunde verbietet, „normale“ Hunde aber zulässt. Hier ist vor allem die generelle Angst vor dem Listenhund und dem negativen Image überwiegend. Man könnte bei einem offenen Vermieter beispielsweise durch ein Gespräch oder Treffen des Hundes die Angst nehmen, sofern natürlich der Listenhund auch gut erzogen ist. Persönlich waren wir schon von einem solchen Fall betroffen. Wir hatten unsere Traumwohnung gefunden und uns wurde letztendlich wegen der Rasse abgesagt. Der Vermieter, der selber in dem Haus lebte konnte leider auch nicht mit unserem Job und unseren Videos überzeugt werden und so mussten wir diese Niederlage leider einstecken.

Tierrechtsanwalt Ackenheil rät beispielsweise dazu, seinen Hund bei einer Wohnungsbesichtigung mitzunehmen, so dass der Vermieter sich einen ernsthaften und eigenen Eindruck von dem Hund machen kann.

Darf Vermieter Hund verbieten

Was bedeutet im Mietvertrag „Haustiere nach Vereinbarung“?

Der Bundesgerichtshof hat auch hierfür eine Rechtssprechung, die besagt dass Tiere, von denen keine Belästigung ausgeht (wie z.B. Fische im Aquarium) grundsätzlich erlaubt sind. Da generell eine Tierhaltung nicht untersagt werden darf, ausser natürlich der Vermieter kann ein berechtigtes Interesse nachweisen, empfiehlt Tierrechtsanwalt Ackenheil den Vermieter direkt zu fragen. Schaffe ich mir also ein Tier an, ohne es mit meinem Vermieter abzusprechen, so verstosse ich ganz klar gegen eine Abmachung. Hinzu kommt, dass im Nachhinein, wenn das Haustier (ganz gleich ob Hund oder Katze) schon im Haushalt leben eine Klage gegen den Vermieter nur Stress bedeutet.

Gilt eine mündliche Bestätigung des Vermieters als gültig?

Es gibt in diesem Fall keine Verpflichtung zur Schriftform. Das heisst, was schriftlich nicht festgehalten wurde, kann trotzdem wirksam sein. Du musst es nur beweisen können. Du benötigst hierfür ganz klar einen Zeugen, der die mündliche Zusage belegen kann.

Können andere Mietparteien meinen Hund verbieten?

Listenhund in Wohnung verbieten

Dass sich andere Mietparteien gegen einen Hundehalter zusammentun und diesen aus dem Mietobjekt wünschen ist ein sehr häufig antreffender Praxisfall. Ein jeder Hundehalter besitzt das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit (Artikel 2 GG) zu dem die Tierhaltung gehört. Dieses Grundrecht endet jedoch dort, wo andere Rechte beginnen. Denn neben den Grundrechten des Hundehalters, besitzen auch andere Mietparteien das Grundrecht auf beispielsweise Ruhe oder Rücksichtnahme. Letztlich muss das in letzter Konsequenz der Vermieter entscheiden. In einem solchen Fall könnte der Hundehalter gegen den Vermieter gerichtlich vorgehen und da bleibt am Ende nur die Einzelfallentscheidung des Richters.

Auf der anderen Seite können andere Mietparteien eine Chance bedeuten. Angenommen du wohnst bereits in einer Wohnung und dein Vermieter erlaubt dir einen Hund aufgrund einer bestimmten Rasse nicht, so kannst du andere Mietparteien informieren und darauf vorbereiten und sogar eine Unterschriftenliste sammeln mit deren Einverständnis, dass du diesen oder jenen (Listen)Hund aufnehmen darfst. So kannst du bei deinem Vermieter argumentieren, dass andere Mietparteien damit kein Problem haben, dass du einen (Listen)Hund aufnimmst.

Was, wenn Mieter und Vermieter keinen gemeinsamen Nenner finden?

Sofern du und der Vermieter sich nicht einig werden in Bezug auf die Hundehaltung in der Mietwohnung, führt dies meist zu einer Kündigung deinerseits oder auch von der Vermieterseite. Keine Sorge: Eine fristlose Kündigung kann aber nur mit einer bestimmten Begründung ausgesprochen werden. Die Hundehaltung ist jedoch keine Begründung für eine fristlose Kündigung. Im schlimmsten Fall hat man immer noch die Kündigungsfrist, um eine neue Mietwohnung ausfindig zu machen.

Darf der Vermieter eine Kastration verlangen?

Hund in Wohnung verboten

Du denkst dir jetzt vielleicht: „WAS?“. Ja, tatsächlich hatten wir bereits diese Story von einem unserer Community Mitglieder gehört. Tierrechtsanwalt Ackenheil ist da ganz deutlich. Ein Vermieter darf es verlangen aber er darf nicht erwarten, dass man dem nachkommt. Die Forderung ist völlig unberechtigt und das regelt auch das Tierschutzgesetz. Das Tierschutzgesetz verbietet Tierärzten ganz klar Kastrationen, wenn sie medizinisch nicht notwendig sind. Eine medizinische Erforderlichkeit kann beispielsweise darin liegen, dass der Hormonhaushalt des Hundes geregelt werden muss. Um eine Mietwohnung behalten zu können ist somit keine medizinische Notwendigkeit gegeben.

Fazit

Tierrechtsanwalt empfiehlt immer ein klares Vorgehen, indem man kommuniziert und Ängste abbaut, die bei vielen Rassen bzw. sogenannte Listenhunde leider fälschlicherweise vorherrschen. Der Dialog ist dabei der beste Weg zu Erfolg und auch die eigene Bereitschaft Regeln für den Hausbereich zu definieren, um die Angst zu minimieren, sind zu empfehlen. Beispielsweise könnte man sich dazu bereit erklären, den Hund im Hausbereich nur mit Maulkorb und kurzer Leine zu führen. Diese Eigeninitiative und defensive Reaktionen bieten anderen Mietparteien und dem Vermieter Sicherheit und somit vielleicht auch Verständnis.

Man kann nur Respekt erwarten, wenn man selber Respekt entgegenbringt.

 

 

Halt die Ohren steif und immer der Nase nach!

 

 

Anwaltskanzlei Ackenheil
Rechtsanwalt Andreas Ackenheil
Raiffeisenstrasse 23 a
55270 Klein-Winternheim / Mainz

Tel. 06136 – 762833
Fax: 06136 – 763291

Mail: info@ackenheil-anwaltskanzlei.de

Instagram: https://www.instagram.com/tieranwalt_ackenheil/


Anzeige: In Kooperation mit Tierrechtsanwalt Andreas Ackenheil

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